Geschichte des Antisemitismus

Geschichte des Antisemitismus

Infografik Nr. 691401

Der pauschale Hass gegenüber Juden hat eine lange, unheilvolle Geschichte. Seit 2000 Jahren hält er sich als sozialpsychologische Konstante in wechselnden Erscheinungsformen. Als „längsten Hass“ hat ihn der Historiker Robert S. Wistrich bezeichnet.

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Der pauschale Hass gegenüber Juden hat eine lange, unheilvolle Geschichte. Seit 2000 Jahren hält er sich als sozialpsychologische Konstante in wechselnden Erscheinungsformen. Als „längsten Hass“ hat ihn der Historiker Robert S. Wistrich bezeichnet. Vorläufer des Antisemitismus war der Antijudaismus. Er hatte seinen Ursprung im Konflikt des Christentums mit dem Judentum und war im Kern religiös motiviert: Juden galten als „Volk der Christusmörder“, denen eine Kollektivschuld an der Kreuzigung Jesu angelastet wurde. Hinzu kam eine Entwicklung, die Juden überall zur Minderheit machte: Nach Aufständen gegen die römischen Besatzer wurden die Juden im zweiten Jahrhundert aus Palästina vertrieben und lebten fortan versprengt über Europa und Nordafrika in der „Diaspora“ (= Zerstreuung). Nachdem das Christentum im Jahr 380 den Rang einer Staatsreligion im Römischen Reich erhalten hatte, wurden Juden rechtlich diskriminiert, u.a. durch Heiratsverbote mit Christen, was eine soziale Ausgrenzung nach sich zog.

Dies setzte sich im Mittelalter fort. Der Ausschluss der Juden von Landbesitz, Kaufmannsgilden und Handwerk drängte sie in den Geldhandel, was das bis heute verbreitete Stereotyp vom „Wuchererlbdquo; begründete. In der religiös aufgeheizten Stimmung der Kreuzzüge kam es ab 1096 zu ersten organisierten Gewaltexzessen gegen Juden. Antijüdische Mythen wurden in die Welt gesetzt, darunter die Ritualmordlegende, nach der Juden angeblich christliche Kinder rituell opfern. In den Jahren der Großen Pest (1348-50) wurden Juden als „Brunnenvergifter“ für Pestepidemien verantwortlich gemacht, tausende fielen Pogromen und Lynchmorden zum Opfer.

Der religiös motivierte Antijudaismus wandelte sich in der Neuzeit zu einem Hass, der sich auf die Juden als „Rasse“ berief. So führte der deutsche Journalist Wilhelm Marr 1879 den Begriff „Antisemitismus“ ein und versuchte, typische Merkmale der „semitischen Rasse“ pseudo-wissenschaftlich zu belegen. Den Juden wurde angedichtet, in eine Weltverschwörung zur Unterjochung der gesamten Menscheit verwickelt zu sein; im Geiste sozialdarwinistischer Rassentheorien wurden sie in Analogie zur biologischen Sprache als „Parasiten“ geschmäht. Auf solchen entmenschlichenden Beschreibungen fußte der Antisemitismus der Nationalsozialisten, der im industriellen Massenmord an schätzungsweise sechs Millionen europäischen Juden gipfelte. Doch nicht einmal die Lehren aus diesem ungeheuerlichen Verbrechen konnten den Antisemitismus aus den Köpfen verbannen. Bis heute halten sich hartnäckig antisemitische Stereotypen, die sich seit der Staatsgründung Israels mit israelbezogener Judenfeindschaft vermischen.

Reihe: 53
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Ausgabe: 12/2019
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