Sezessionen seit 1945 (Bild)

Sezessionen seit 1945 (Bild)

Infografik Nr. 609011

Abspaltungen einer Volksgruppe von einem Staat, im Völkerrecht „Sezession“ genannt, sind häufig mit Gewalt verbunden. Die Motive für eine Sezession liegen typischerweise in sozia ...

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Abspaltungen einer Volksgruppe von einem Staat, im Völkerrecht „Sezession“ genannt, sind häufig mit Gewalt verbunden. Die Motive für eine Sezession liegen typischerweise in sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Konflikten, die sich mit ethnischen Bruchlinien überlagern. Oft sind externe Mächte beteiligt, die Abspaltungsbewegungen im eigenen Interesse befördern. Ob eine Sezession friedlich oder gewaltsam abläuft, hängt maßgeblich davon ab, wie der Staat, von dem sich ein Volk abspalten will, reagiert. Meistens allerdings versucht er, die Abspaltung gewaltsam zu verhindern, wie die jüngere Geschichte zeigt.

Dies gilt für alle drei Sezessionen in Afrika. In allen Fällen versuchte der Zentralstaat, die separatistischen Bewegungen gewaltsam zu unterdrücken. Das Ergebnis waren jahrzehntelange Kriege. • Namibia, ab 1884 deutsche Kolonie, stand nach dem Ersten Weltkrieg als „Südwestafrika“ unter dem Mandat des Völkerbunds. Treuhänder wurde Südafrika, das sein Apartheidsregime auch in Südwestafrika einführte. Ab 1966 sollte sich Südwestafrika laut UN-Beschluss eigentlich selbst verwalten, aber Pretoria betrachtete das Gebiet weiterhin als Provinz Südafrikas. Die Südwestafrikanische Volksorganisation (SWAPO) begann nun ihren Guerillakrieg gegen Südafrika. Externe Hilfe erhielt sie von der sozialistischen Regierung Angolas, die wiederum von Kuba unterstützt wurde. Erst 1988 schloss Südafrika mit Angola und Kuba einen Waffenstillstand, der den Weg frei machte für die Unabhängigkeit Südwestafrikas, nun als „Namibia“ (21.3.1990). • Eritrea und Äthiopien wurden 1941 durch britische Truppen von der italienischen Besatzung befreit und blieben vorerst britisches Protektorat. Gemäß UN-Beschluss von 1952 hätte Eritrea als autonomes Gebiet zu Äthiopien gehören sollen, doch Äthiopien gliederte das Gebiet 1962 vollständig ein. Die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) begann ihren Kampf gegen die äthiopische Regierung. 1974 verbündete sie sich mit Rebellen aus anderen Regionen Äthiopiens, die alle gegen den von Moskau protegierten Diktator Mengistu Haile Mariam kämpften. Der Kollaps der Sowjetunion beendete die Hilfe aus Moskau, und das Rebellen-Bündnis konnte Mengistu 1991 stürzen. Die neue Regierung erlaubte der EPLF, ein Referendum abzuhalten, das zur Unabhängigkeit Eritreas am 24.5.1993 führte. Im • Südsudan begann schon vor der Unabhängigkeit des Sudan von anglo-ägyptischer Herrschaft 1956 ein Aufstand im Süden, dessen mehrheitlich schwarzafrikanische und Naturreligionen anhängende Bevölkerung die Unterdrückung durch den arabisch-muslimischen Norden befürchtete. Im ersten Bürgerkrieg (1955-1972) erreichten die Rebellen Autonomie für den Süden, die jedoch schon 1983 wieder aufgehoben wurde, weil Präsident an-Numairi landesweit die Scharia einführte. Der dadurch entfachte zweite Bürgerkrieg endete erst 2005 mit einem Friedensabkommen: Der Süden erhielt wieder Autonomie und durfte per Referendum über die Sezession abstimmen. Dies geschah Anfang 2011; am 9.7.2011 wurde der Südsudan unabhängig.

In Asien verlief die Sezession von • Timor Leste nach einem ähnlichen Muster wie in Afrika. Der Osten der Insel Timor war seit dem 16. Jahrhundert portugiesische Kolonie, der Westen Timors (wie das übrige Indonesien) niederländisch. Indonesien wurde 1949 unabhängig, Ost-Timor dagegen wurde von Portugal erst 1974 nach dem Ende der Salazar-Diktatur in die Unabhängigkeit entlassen. Indonesien aber besetzte und annektierte Ost-Timor 1975. Nach Jahrzehnten der Gewalt und der Repression erlaubte Jakarta erst nach dem Sturz von Diktator Suharto (1998) ein Referendum über die Unabhängigkeit Ost-Timors. Das Votum ging positiv aus, pro-indonesische Milizen randalierten aber dagegen und mussten von australisch geführten UN-Truppen zum Abzug gezwungen werden. Erst danach wurde „Timor Leste“ am 20.5.2002 unabhängig. Auch die Abspaltung • Bangladeschs von Pakistan verlief gewaltsam, allerdings nicht über Jahrzehnte. Das heutige Bangladesch war 1947 als „Ost-Pakistan“ zusammen mit (West-)Pakistan als muslimischer Teil von Britisch-Indien unabhängig geworden. Wegen der systematischen politischen und ökonomischen Benachteiligung durch das Militärregime in Pakistan rief die separatistische Awami-League am 26.3.1971 die Unabhängigkeit Bangladeschs aus. Mit militärischer Hilfe von Pakistans Erzfeind Indien gelang in einem neunmonatigen Krieg die Abspaltung. Die Loslösung • Singapurs< ...

Reihe: 53
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Ausgabe: 12/2017
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