Wird der Hunger besiegt?

Wird der Hunger besiegt?

Infografik Nr. 670090

Wird der Hunger besiegt?

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Wird der Hunger besiegt?

Auf dem Welternährungsgipfel von Rom legten die versammelten Staaten 1996 das feierliche Versprechen ab, die Zahl der Hungernden in der Welt bis 2015 auf die Hälfte zu senken. Der Millenniumsgipfel 2000 nahm in seinen Zielkatalog das Vorhaben auf, den prozentualen Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung der Entwicklungsländer bis 2015 zu halbieren. Zumindest dieses zweite Ziel könnte nach Einschätzung der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) erreicht werden – jedoch nur mit zusätzlichen Anstrengungen und unter der Voraussetzung, dass sich der von ihr konstatierte positive Trend der letzten zwanzig Jahre fortsetzt. Die FAO stützt sich bei ihrer Einschätzung auf Daten, die sie seit 2012 nach einer veränderten Methodik aufbereitet. Sie verwendet den Begriff „Hunger“ in ihrem Bericht gleichbedeutend mit „chronischer Unterernährung“. Ihr zufolge hat sich der Anteil der Unterernährten in der Dritten Welt von 24% im Basisjahr 1990/92 auf weniger als 16% (2008/10) verringert. Die absolute Zahl der Hungernden ging in diesem Zeitraum von rund 1 Milliarde auf 863 Millionen zurück. Für die Jahre 2011/13 wird ein weiterer Rückgang auf 827 Mio bzw. 14% der Bevölkerung angenommen.

Allerdings zeigen sich weiterhin deutlicheregionale Unterschiede. Am stärksten betroffen ist Afrika südlich der Sahara, wo 2008/10 mehr als ein Viertel der Bevölkerung (27%) an Unterernährung litt. Zwar lag diese Quote Anfang der 1990er Jahre noch bei rund 33%, doch die absolute Zahl der Hungernden stieg seitdem um fast 50 Millionen Menschen auf 222 Millionen. In Südasien litten 2008/10 etwa 310 Millionen Menschen Hunger – rund 4 Millionen weniger als 1990/92. Die Quote der Unterernährten sank im gleichen Zeitraum von 26% auf 19%, so dass hier von einem langsamen Fortschritt gesprochen werden kann. Ähnliches gilt für Lateinamerika. Deutlichere Erfolge im Kampf gegen den Hunger verzeichneten Ost- und Südostasien: Hier konnte die Hunger-Quote von 22% auf 12% bzw. von 31% auf 14% verringert werden. In Westasien dagegen (mit Ländern wie Irak, Syrien und Jemen) stieg der Anteil der Unterernährten von 7% auf 10%; die absolute Zahl der Hungernden verdoppelte sich dort sogar.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den USA und Kanada begegnet den Aussagen der FAO und der von ihr angewandten neuen Berechnungsmethode mit Skepsis („Framing Hunger“, 2013). Kritisiert wird u.a. ein für die Definition von Unterernährung zu niedrig angesetzter Mindestbedarf an Kalorien, der sich an einer „bewegungsarmen Lebensweise“ orientiert – obwohl gerade das Leben in der Dritten Welt häufig von harter, anstrengender Arbeit geprägt ist.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
eps: eps-Version
Ausgabe: 12/2013
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