Volkszählungen

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Infografik Nr. 019010

Volkszählungen

Die Anfänge der modernen Bevölkerungsstatistik in Deutschland liegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie standen in engem Zusammenhang mit der gewerblich-ind ...

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Volkszählungen

Die Anfänge der modernen Bevölkerungsstatistik in Deutschland liegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie standen in engem Zusammenhang mit der gewerblich-industriellen Entwicklung und der Herausbildung einer leistungsfähigen öffentlichen Verwaltung in den deutschen Staaten. War die Bevölkerungszahl in der Staatenkunde (= Statistik) des 18. Jahrhunderts der wichtigste Maßstab für die Stärke eines Landes, so spiegelten die Bevölkerungsdaten im 19. Jahrhundert die raschen Veränderungen durch die Industrialisierung und die demographische Revolution.

In den Staaten des Zollvereins diente die Einwohnerzahl als Grundlage für die Verteilung der Zollerträge. Zu diesem Zweck wurde ab 1834 alle drei Jahre im Dezember die „Zollabrechnungsbevölkerung“ erhoben. Noch fehlte den Zählungen eine einheitliche Methode. Eine entscheidende Verbesserung der Ergebnisse wurde durch die direkte Zählung von Haushalt zu Haushalt ab 1843 erzielt. Am 3. Dezember 1867 erfolgte die Volkszählung erstmals zeitgleich in allen deutschen Staaten. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 fand noch im gleichen Jahr eine Volkszählung als erste Bestandsaufnahme der Reichsbevölkerung statt. Gezählt wurde anhand von Haushaltslisten, in denen für jeden Haushaltsangehörigen ein Satz persönlicher Merkmale festzuhalten war, darunter die Stellung im Haushalt, Geburtsort und -jahr, Religion, Beruf und Staatsangehörigkeit. Von 1875 bis 1910 fanden die Volkszählungen im 5-Jahres-Rhythmus statt. In der Weimarer Republik erbrachte die Volks- und Gewerbezählung von 1925 eine umfassende Bestandsaufnahme der Bevölkerung und der Wirtschaftsstruktur. Nach 1933 gab es kurz vor Kriegsbeginn 1939 noch einmal eine Volkszählung auf dem inzwischen erweiterten Territorium des Deutschen Reichs (d.h. einschließlich des Saarlands, Österreichs und des Sudetenlands).

In der Bundesrepublik Deutschland fanden 1950, 1961 und 1970 Volkszählungen statt. Sie folgte damit der Empfehlung der Vereinten Nationen, solche Zählungen alle zehn Jahre durchzuführen. Die für 1983 geplante Zählung musste jedoch auf 1987 verschoben werden, da das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 15.12.1983 das „informationelle Selbstbestimmungsrecht“ der Bürger unterstrich und die zunächst vorgesehene Weitergabe personenbezogener Daten an die Meldebehörden als verfassungswidrig beanstandete. An den internationalen Volkszählungsterminen 1990/91 und 2000/2001 nahm die Bundesrepublik wegen politischer Widerstände und aus Kostengründen nicht teil. So gibt es in Deutschland 2011 erstmals nach 1987 (in Ostdeutschland sogar erstmals nach 1981!) wieder eine umfassende Bestandsaufnahme der Bevölkerung, diesmal in der Form eines registergestützten Zensus.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
Downloadvariante: color
Ausgabe: 10/2010
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