Verstädterung in Deutschland

Verstädterung in Deutschland

Infografik Nr. 027820

Im Prozess des wirtschaftlichen und sozialen Wandels, der in Deutschland um die Mitte des 19. Jh. einsetzte, waren Industrialisierung und Verstädterung untrennbar miteinander verbunden. Als ...

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Im Prozess des wirtschaftlichen und sozialen Wandels, der in Deutschland um die Mitte des 19. Jh. einsetzte, waren Industrialisierung und Verstädterung untrennbar miteinander verbunden. Als Standorte der industriellen Produktion mit gleichzeitig wachsendem Bedarf an Folge(dienst)leistungen in Verwaltung, Handel und Verkehr zogen die Städte des beginnenden Industriezeitalters überschüssige Arbeitskräfte aus den ländlichen Gebieten an und wurden dadurch zum Ziel einer jahrzehntelang anhaltenden Binnenwanderung.

Gab es in Deutschland 1850 erst 4 Städte mit mehr als 100000 Einwohnern (Berlin, Hamburg, Breslau, Dresden), so verdoppelte sich diese Zahl bis 1875 und weitere 40 Großstädte kamen bis 1910 noch hinzu. Von den Einwohnern des Deutschen Reiches lebte zu diesem Zeitpunkt nur jeder zweite noch am Ort seiner Geburt; 29 Millionen Menschen hatten dagegen an der Binnenwanderung teilgenommen. Zwischen 1875 und 1910 war der Bevölkerungsanteil der Gemeinden mit weniger als 10000 Ew. von 80 % auf 65 % zurückgegangen, der Anteil der Mittel- und Großstädte mit mehr als 20000 Ew. jedoch von 14 auf knapp 29 % gestiegen. Die Stadt wurde in dieser Periode zum Schauplatz sozialer Veränderungen und neuer Lebensformen, die schließlich auf die gesamte Gesellschaft ausstrahlten. Mitte der 1920er Jahre kam die Binnenwanderung und mit ihr das rasche Wachstum der Städte vorerst zum Abschluss. Zusammenschlüsse und Eingemeindungen (wie in Berlin 1920) sollten nun die einheitliche Entwicklung und Verwaltung gewachsener Ballungsgebiete ermöglichen.

Neue Massenwanderungen löste der Zweite Weltkrieg aus. Während des Kriegs und danach nahmen die ländlichen Regionen einen großen Teil der durch Evakuierung, Flucht und Vertreibung aus ihrer gewohnten Umwelt gerissenen Bevölkerung auf; die großen Städte gewannen ihre Bedeutung erst im Zuge des Wiederaufbaus zurück. Seitdem hält jedoch die Abwanderung aus ländlichen Gebieten an – bedingt durch das größere Arbeitsplatzangebot in Städten –, während sich die Ballungsgebiete, zum Teil unter Bevölkerungsverlusten in den Stadtkernen, in ihr Umland ausdehnen.

Anhand der Aufteilung nach Gemeindegrößenklassen lassen sich diese Prozesse allerdings nur noch bedingt erfassen, da der Zuschnitt der Gemeinden durch die Kommunalreformen der letzten Jahrzehnte massiv verändert wurde. Für den aktuellen Urbanisierungsgrad ist die auf EU-Ebene entwickelte Stadt-Land-Gliederung aussagekräftiger. Sie orientiert sich an der Siedlungsdichte und unterscheidet zwischen gering, mittelstark und dicht besiedelten Gebieten. Letztere sind gleichzusetzen mit Großstadtregionen.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 09/2017
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