Woher sie kommen, wo sie leben

Woher sie kommen, wo sie leben

Infografik Nr. 035310

Die Bundesrepublik Deutschland entwickelte sich seit den 1960er Jahren faktisch zu einem Einwanderungsland – eine Tatsache, die lange nicht zur Kenntnis genommen wurde. Heute besitzen etwa 10,6 Mio Einwohner, rund 12 % der Gesamtbevölkerung, eine ausländische Staatsangehörigkeit; weitere 12 % der Bevölkerung haben als deutsche Staatsbürger ebenfalls einen „Migrationshintergrund“, sind also selbst zugewandert oder stammen von Zuwanderern ab.

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Die Bundesrepublik Deutschland entwickelte sich seit den 1960er Jahren faktisch zu einem Einwanderungsland – eine Tatsache, die lange nicht zur Kenntnis genommen wurde. Heute besitzen etwa 10,6 Mio Einwohner, rund 12 % der Gesamtbevölkerung, eine ausländische Staatsangehörigkeit; weitere 12 % der Bevölkerung haben als deutsche Staatsbürger ebenfalls einen „Migrationshintergrund“, sind also selbst zugewandert oder stammen von Zuwanderern ab. Im Rückblick lassen sich mehrere Phasen der Zuwanderung unterscheiden. Die erste Phase setzte Ende der 1950er Jahre ein, als sich ein zunehmender Mangel an Arbeitskräften für die rasch wachsende westdeutsche Wirtschaft abzeichnete. Um dem abzuhelfen, wurden „Gastarbeiter“ angeworben: zunächst aus Italien, dann aus Spanien und Griechenland, schließlich auch aus der Türkei, aus Portugal, Jugoslawien, Tunesien und Marokko. Dadurch nahm der Anteil der ausländischen Bevölkerung im damaligen Bundesgebiet zwischen 1961 und 1973 von 1,2 % auf 6,4 % zu.

Als sich 1973 die wirtschaftliche Entwicklung abschwächte, verhängte die Bundesregierung einen Anwerbestopp. Der erwartete Rückgang der Ausländerzahlen stellte sich dadurch aber nicht ein. Zwar kehrten in der Folgezeit viele Arbeitnehmer in ihre Herkunftsländer zurück, aber die meisten richteten sich nun mit ihren Familien in der Bundesrepublik ein. In dieser Phase der Familienzuwanderung wuchs die ausländische Wohnbevölkerung bis Anfang der 1980er Jahre auf rund 4,5 Mio (7,2 % der Gesamtbevölkerung). Die Bundesregierung reagierte darauf 1982 mit der Absicht, die weitere Zuwanderung zu bremsen und die Rückkehrbereitschaft zu unterstützen, aber auch die Integration der seit langem in Deutschland lebenden Ausländer zu fördern. Damit war der Kurs der staatlichen Ausländerpolitik auf lange Jahre abgesteckt. Kennzeichen der dritten Phase – in den 1980er und frühen 1990er Jahren – war der Zuzug von Asylbewerbern aus Osteuropa und der Dritten Welt sowie die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und anderen Krisengebieten. Das 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz schuf eine umfassende rechtliche Grundlage für die Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung.

Ein neuerlicher Anstieg der Ausländerzahlen erfolgte mit dem massiven Zuzug von Asylbewerbern im Jahr 2015 und, deutlich abgeschwächt, auch in den Folgejahren. Viele davon waren Kriegsflüchtlinge aus Syrien und Afghanistan. Menschen aus Syrien stellten 2017 die drittgrößte Gruppe mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Nach wie vor stammt aber ein großer Teil der heute in Deutschland lebenden Ausländer aus den früheren Anwerbeländern, insbesondere der Türkei. Stark vertreten sind auch die übrigen EU-Staaten.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 11/2018
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