Lebensgemeinschaften

Lebensgemeinschaften

Infografik Nr. 042510

Die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften wächst seit 1972 stetig, ebenso die gleichgeschlechtlichen, nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Das ZAHLENBILD zeigt: „Nur die Liebe zählt.“ Direkt herunterladen.

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In Deutschland wie in den meisten Nachbarländern hat sich das Heiratsverhalten der jungen Erwachsenen in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Seit Ende der 1960er Jahre wurde das überkommene Eheund Familienleitbild durch die jüngere Generation zunehmend in Frage gestellt. Neben der traditionellen, rechtlich fest gefügten und privilegierten Institution der Ehe entwickelten sich neue Formen der Geschlechterbeziehung, die dem Selbstständigkeits- und Unabhängigkeitsbedürfnis der Partner größeren Raum ließen und dem veränderten Rollenverständnis der auf Gleichberechtigung drängenden, berufstätigen Frau entgegenkamen. Die früher vorherrschenden Moralvorstellungen, die sexuelle Beziehungen nur innerhalb der Ehe erlaubten, machten einer allgemein toleranteren Einstellung Platz.

So ging einerseits die Heiratshäufigkeit zurück, andererseits wurde die „Ehe ohne Trauschein“, das nichteheliche Zusammenleben von Mann und Frau, zunehmend gesellschaftsfähig. 1972 gab es im früheren Bundesgebiet nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts erst etwa 137000 nichteheliche Lebensgemeinschaften, 1996 im vereinten Deutschland jedoch schon 1,80 Millionen. Bis 2020 stieg diese Zahl auf 3,19 Millionen, wobei der starke Anstieg gegenüber früheren Erhebungen wohl auch auf die seit 2017 bestehende Auskunftspflicht für unverheiratete Paare zurückzuführen ist. Gleichzeitig gab es bundesweit 17,65 Millionen Ehepaare. Von sämtlichen gemischtgeschlechtlichen Paargemeinschaften hatte sich also mehr als jede siebte (15 %) für ein Zusammenleben ohne eheliche Bindung entschieden.

Eine generelle Ablehnung der Ehe ist mit dieser Lebensform aber nicht zwangsläufig verbunden. Bei vielen nichtehelichen Lebensgemeinschaften handelt es sich nämlich um eine Art Probeehe, die nach einiger Zeit doch in eine formelle Eheschließung einmündet. Es sind aber nicht nur ledige junge Leute, die solche Beziehungen eingehen. Vielmehr bringt fast ein Drittel der Partner und Partnerinnen in einer nichtehelichen Gemeinschaft schon Eheerfahrung mit und die Zahl derer, die in reiferem Alter unverheiratet zusammenleben, nimmt zu.

Neben den Lebensgemeinschaften zwischen Mann und Frau gibt es auch immer mehr Verbindungen, in denen Männer oder Frauen als Paare zusammenleben. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus bestanden in Deutschland 2020 rund 118 000 gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, darüber hinaus aber auch 163000 gleichgeschlechtliche Ehen. Die „Ehe für alle“ wurde in Deutschland zum 1.10.2017 eingeführt; ihr ging ab 2001 die „eingetragene Lebenspartnerschaft“ gleichgeschlechtlicher Paare voraus.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2021
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