Groß-Berlin 1920: Geburt einer Metropole

Groß-Berlin 1920: Geburt einer Metropole

Infografik Nr. 016432

Berlin, seit 1871 Hauptstadt des Deutschen Reiches, durchlief in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. eine beschleunigte Entwicklung. Als Verwaltungszentrum und Standort einer dynamisch aufstrebenden Industrie war Berlin Anziehungspunkt einer massiven Zuwanderung, mit der sich die industrielle Gesellschaft neu konstituierte. Die Eigenständigkeit der eng benachbarten und in ihrem Siedlungsbild oft schon miteinander verschmolzenen Gemeinden warf zunehmende Probleme auf. Es fehlte an Koordination und gemeinsamer Planung.

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Berlin, seit 1871 Hauptstadt des Deutschen Reiches, durchlief in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. eine beschleunigte Entwicklung. Als Verwaltungszentrum und Standort einer dynamisch aufstrebenden Industrie (mit Maschinenbau, Elektroindustrie, Chemie, Bekleidungsindustrie) war Berlin Anziehungspunkt einer massiven Zuwanderung (hauptsächlich aus Schlesien und Nordostdeutschland), mit der sich die industrielle Gesellschaft neu konstituierte. Das Stadtgebiet umfasste 1871 etwa 60 qkm, auf denen rund 547 000 Einwohner lebten. Bis 1900 wuchs die Berliner Bevölkerung auf fast 1,9 Mio Menschen an, von denen 59 % zugewandert waren; 1910 zählte sie schon nahezu 2,1 Mio. Aber Berlin bildete nur den Kern einer großräumigen, zunehmend dicht besiedelten Agglomeration. 1910 lebten in den Vororten, zu denen auch Großstädte wie Charlottenburg und Rixdorf (ab 1912: Neukölln) zählten, weitere 1,7 Mio Menschen.

Die Eigenständigkeit der eng benachbarten und in ihrem Siedlungsbild oft schon miteinander verschmolzenen Gemeinden warf zunehmende Probleme auf. Es fehlte an Koordination und gemeinsamer Planung. Auf engem Raum arbeiteten zahlreiche Betriebe und Einrichtungen der Wasser-, Gas- und Stromversorgung, der Kanalisation, des Gesundheits- und Schulwesens nebeneinander her, galten unterschiedliche Steuerzuschläge. Daher wurde 1912 der Zweckverband Groß-Berlin gegründet, der wenigstens eine gemeinsame Stadt- und Verkehrsplanung ermöglichen sollte. Einem engeren Zusammenschluss standen nicht nur die Sonderinteressen der Vororte, sondern auch die Vorbehalte der preußischen Staatsregierung entgegen. Erst in der politischen und wirtschaftlichen Umbruchsituation nach dem Ersten Weltkrieg gelang der Durchbruch: Am 27.4.1920 stimmte die Preußische Landesversammlung mit knapper Mehrheit für das „Gesetz über die Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin“, das dann am 1.10.1920 in Kraft trat.

Dem Gesetz zufolge schlossen sich 94 Ortsteile – 8 Stadtgemeinden, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken – zur neuen Einheitsgemeinde Berlin zusammen. Damit war die Grundlage für die künftige Entwicklung der Weltstadt geschaffen. Als zweite Ebene unterhalb des Gesamt-Berliner Magistrats entstanden 20 Bezirke, davon sechs auf dem Gebiet der früheren Stadtgemeinde Berlin. Dieser dezentrale Ansatz wahrte die Möglichkeit, in Bezirksangelegenheiten jeweils eigenständig zu verfahren, schuf aber auch Reibungsflächen im Verhältnis zur Gesamtverwaltung. Die neu entstandene Metropole nahm mit 3,9 Mio Einwohnern (auf 878 qkm) den dritten Rang unter den Großstädten der Welt ein – nach New York und London. Sie war die größte Industriestadt des Kontinents und zugleich ein Zentrum der Kunst und der Kultur.

Reihe: 53
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Ausgabe: 01/2020
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