Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Infografik Nr. 035225

Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2019 sind 21,2 Mio Menschen, d.h. mehr als jeder vierte Einwohner Deutschlands, biographisch in den Wanderungsprozessen verankert – sei es, ● dass sie im Ausland geboren und selbst zugewandert sind, ● in Deutschland geboren sind, jedoch eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen, oder dass sie ● zwar selbst Deutsche und im Inland geboren sind, mindestens ein Elternteil aber zugewandert oder ausländischer Herkunft ist.

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Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, blieb im politischen Raum lange unausgesprochen. Noch Jahrzehnte nach Beginn der Gastarbeiterzuwanderung ins frühere Bundesgebiet wurde an der Fiktion festgehalten, es handle sich dabei um eine vorübergehende, wieder umkehrbare Erscheinung. Eine auf die Interessen der Bundesrepublik ausgerichtete Einwanderungspolitik unterblieb, wie auch die gesellschaftliche Einbindung der bereits in Deutschland lebenden Migranten vernachlässigt wurde. Erst Ende der 1990er Jahre wurde ein politisches Umdenken erkennbar. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts (2000) sorgte dafür, dass die in Deutschland geborenen Kinder der zweiten und dritten Zuwanderergeneration mit der Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, und regelte die Einbürgerung ausländischer Staatsbürger neu. Das 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz vereinfachte das Aufenthaltsrecht für Ausländer und ermöglichte eine stärker bedarfsorientierte Steuerung des Zuzugs. Später folgten weitere Änderungen, auch zur Umsetzung von EU-Richtlinien im Aufenthalts- und Asylrecht.

Auf gesellschaftspolitischer Ebene wurden die Probleme der Integration nun zunehmend ernst genommen. Themen wie der Erwerb der deutschen Sprache, Schule und Ausbildung, der Zugang zum Arbeitsmarkt, Gewalt und Kriminalität, soziale Segregation, Religion und kulturelle Identität rückten damit ins Zentrum der öffentlichen Debatte. Doch auf wen zielt diese Debatte? Wer sind die Zuwanderer? Lange Zeit galt das Ausländerzentralregister als wichtigste Auskunftsquelle über die „nichtdeutsche“ Bevölkerung der Bundesrepublik. Um den Integrationsbedarf abschätzen zu können, genügt das Kriterium der Staatsangehörigkeit oder Nationalität aber längst nicht mehr. Im Rahmen des Mikrozensus versuchen die Statistischen Ämter deshalb seit 2005 auch den „Migrationshintergrund“ der Bevölkerung auszuleuchten.

Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2019 sind 21,2 Mio Menschen, d.h. mehr als jeder vierte Einwohner Deutschlands, biographisch in den Wanderungsprozessen verankert – sei es, ● dass sie im Ausland geboren und selbst zugewandert sind, ● in Deutschland geboren sind, jedoch eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen, oder dass sie ● zwar selbst Deutsche und im Inland geboren sind, mindestens ein Elternteil aber zugewandert oder ausländischer Herkunft ist. In dieser Auswertung fehlen allerdings die rund 1,2 Mio Personen in Gemeinschaftsunterkünften, die vom Mikrozensus nicht erfasst werden. Selbst zugewandert sind fast 13,7 Mio Menschen, mehrheitlich Ausländer (8,6 Mio). In Deutschland geboren sind knapp 7,6 Mio Menschen mit Migrationshintergrund, die meisten davon (6,0 Mio) besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 08/2020
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