Junge Leute zwischen Elternhaus und Eigenständigkeit

Junge Leute zwischen Elternhaus und Eigenständigkeit

Infografik Nr. 042509

Es vergehen oft lange Jahre, ehe junge Leute das Elternhaus verlassen und sich selbstständig machen. Das hat mit den langen Ausbildungszeiten zu tun, mit Schwierigkeiten bei der Berufsfindung und der verbreiteten Wohnungsnot. Aber die Unterschiede zwischen den europäischen Ländern sind enorm. Welche Erklärungen kommen dafür noch in Frage?

 

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Die Übergangsphase zwischen Kind- und Erwachsensein ist von gegenläufigen Entwicklungen geprägt. Einerseits verlagert sich die psychosexuelle Reife immer weiter nach vorn. Andererseits vergehen oft lange Jahre, ehe mit der Gründung eines eigenen Haushalts oder einer Familie die Ablösung vom Elternhaus stattfindet. Ein Grund dafür ist die oft weit ins Erwachsenenalter hineinreichende Ausbildung – mit der Folge, dass viele junge Leute beruflich und finanziell erst spät auf eigenen Füßen stehen. Zu Hause zu bleiben und sich im „Hotel Mama“ rundum versorgen zu lassen, hat für die Jungerwachsenen den Vorzug der Bequemlichkeit. Aber mit dem Festhalten an der Rollenverteilung des Kindesalters verzögert sich zwangsläufig der Übergang zu eigenverantwortlicher Daseinsgestaltung, zu einem persönlichen Lebensstil, zu frei gelebten Beziehungen und zu mündiger Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Es sind vor allem die jungen Männer, die es sich als „Nesthocker“ ein paar Jahre länger bei ihren Eltern bequem machen. Junge Frauen streben eher nach Unabhängigkeit vom Elternhaus. So lebten in Deutschland 2024 rund 45% der Frauen, aber 58% der Männer zwischen 20 und 24 Jahren noch bei ihren Eltern. In der Altersgruppe zwischen 25 und 29 Jahren harrten noch 21% der Frauen und 24% der Männer bei den Eltern aus oder waren finanziell Teil des elterlichen Haushalts. Das Durchschnittsalter, in dem junge Frauen das Elternhaus verließen, lag bei 23 Jahren; bei den jungen Männern war es erst mit 24½ Jahren so weit.

Wie aus Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat hervorgeht, verlassen junge Frauen auch in den anderen europäischen Ländern das elterliche Heim durchweg früher als ihre männlichen Altersgenossen. Zeitpunkt und Grad der Ablösung vom Elternhaus variiert von Land zu Land aber ganz erheblich. So richten sich junge Leute in den nordischen Ländern (Dänemark, Finnland, Schweden) deutlich früher als anderswo in ihrem eigenen Zuhause ein. Das andere Extrem findet sich in den süd- und osteuropäischen Ländern, wo Mehr-Generationen-Haushalte noch stärker verbreitet sind und vor allem die erwachsenen Söhne noch lange zum elterlichen Haushalt gehören. So sitzen etwa in Kroatien, der Slowakei, in Griechenland und Polen, Spanien und Italien noch mehr als zwei Drittel der 25- bis 29-jährigen Männer am Tisch der Eltern. Im Durchschnitt verlassen die jungen Männer in diesen Ländern erst mit über 30 Jahren des Elternhaus. Gründe dafür sind: die lange Dauer der Berufsvorbereitung, hohe Einstiegsschwellen für Berufsanfänger, oft verbunden mit verbreiteter Jugendarbeitslosigkeit, das begrenzte Wohnungsangebot und eine traditionell späte Eheschließung.

Ausgabe: 01/2026
Produktformat: eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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