Die Schulden der öffentlichen Haushalte

Die Schulden der öffentlichen Haushalte
Seitenanzahl

1

Verschuldung der öffentlichen Haushalte

Nach den Belastungen durch die Finanz- und die Eurokrise konnte das jährliche Finanzierungsdefizit des öffentlichen Gesamthaushalts in Deutschla ...

Verfügbare Produktformate:

Verschuldung der öffentlichen Haushalte Nach den Belastungen durch die Finanz- und die... mehr
Mehr Details zu "Die Schulden der öffentlichen Haushalte"

Verschuldung der öffentlichen Haushalte

Nach den Belastungen durch die Finanz- und die Eurokrise konnte das jährliche Finanzierungsdefizit des öffentlichen Gesamthaushalts in Deutschland schneller als erwartet wieder gesenkt werden, und ab 2014 gab es sogar einen Finanzierungsüberschuss. Sorgen bereitet jedoch der Schuldenstand, der die vom europäischen Stabilitätspakt vorgegebene Obergrenze der Staatsverschuldung – 60 % des Bruttoinlandsprodukts – immer noch weit überschreitet. Ende 2015 hatten Bund, Länder und Gemeinden Schulden von 2023 Milliarden € aufgetürmt. Auf jeden Einwohner Deutschlands entfiel damit eine öffentliche Schuldenlast von 24829 €. Das Schwergewicht der Verschuldung lag mit 1265 Mrd € beim Bund. Rund 613 Mrd € entfielen auf die Länder, 144 Mrd € auf die Gemeinden und Gemeindeverbände.

Der Schuldenstand schließt neben den öffentlichen Kernhaushalten auch die sogenannten Extrahaushalte ein. Letztere sind vor allem bei Bund und Ländern angesiedelt, darunter verschiedene Versorgungsfonds, der Erblastentilgungsfonds, der Finanzmarktstabilisierungsfonds und die zur Bewältigung der Bankenkrise eingerichteten Abwicklungsanstalten, aber auch Hochschulen und Landesbetriebe. Er umfasst Wertpapierschulden, Kredite des nicht-öffentlichen Bereichs und die normalerweise zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe dienenden, vor allem bei den Gemeinden anfallenden Kassenkredite.

Rückblickend lassen sich drei Phasen ausmachen, in denen die Verschuldung besonders steil anstieg. Bis Anfang der 1970er Jahre hatten die öffentlichen Haushalte der Bundesrepublik kaum auf Kredite zurückgegriffen. • Seit der ersten Ölkrise (1974/75) wurde jedoch zunehmend der Kreditmarkt in Anspruch genommen, um Steuerausfälle, Sozialleistungen und antizyklische Ausgaben zu finanzieren. Auch die Folgen des zweiten Ölschocks suchte die Bundesrepublik zunächst mit den Mitteln einer expansiven Finanzpolitik aufzufangen. Dieser Versuch einer Krisenbewältigung auf Pump musste wieder aufgegeben werden, da die Zinsbelastung den staatlichen Handlungsspielraum immer stärker einengte. • Die deutsche Einigung löste eine neue Verschuldungswelle aus. Weil eine Erhöhung der Steuern zur Bewältigung der einigungsbedingten Ausgaben zunächst vermieden werden sollte, musste der immense Finanzbedarf für sozialpolitische Leistungen, die Erneuerung der ostdeutschen Wirtschaft und die Übernahme der DDR-Altlasten weitgehend über Kredite gedeckt werden. • Ein weiterer kräftiger Anstieg der öffentlichen Schulden erfolgte 2009/2010 auf Grund der Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors und zur Überwindung der Euro-Staatschuldenkrise.

Seitenanzahl: 1
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
s/w-Version: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
eps: eps-Version
Ausgabe: 08/2016
Zuletzt angesehen