Entwicklung des Krankenstands

Entwicklung des Krankenstands

Infografik Nr. 146225

In früheren Jahrzehnten schwankte der Krankenstand bis zu einem gewissen Grad mit dem Auf und Ab der Konjunktur. Stieg die Arbeitslosenquote, sank der Krankenstand, weil die Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz fürchteten; entspannte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt, blieben sie im Krankheitsfall eher wieder zu Hause. Seit den 1990er Jahren waren solche konjunkturbedingten Schwankungen jedoch kaum noch festzustellen.

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Der sogenannte Krankenstand zeigt an, wie viel Prozent der Pflichtversicherten bei den gesetzlichen Krankenkassen am Anfang eines Monats krankgeschrieben sind und deshalb nicht zur Arbeit gehen können. Mitte der 1990er Jahre lag er im Durchschnitt noch über 5 %. Danach ging er fast kontinuierlich zurück und erreichte 2007 mit 3,2 % ein Rekordtief.

In früheren Jahrzehnten schwankte der Krankenstand bis zu einem gewissen Grad mit dem Auf und Ab der Konjunktur. Stieg die Arbeitslosenquote, sank der Krankenstand, weil die Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz fürchteten; entspannte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt, blieben sie im Krankheitsfall eher wieder zu Hause. Seit den 1990er Jahren waren solche konjunkturbedingten Schwankungen jedoch kaum noch festzustellen. Die Entwicklung des Krankenstands wurde nun stärker von strukturellen Faktoren beeinflusst. So wirkte sich die Verschiebung von den Arbeiter- zu den Angestelltenberufen und von der industriellen Produktion zu den Dienstleistungen zunächst günstig auf die Krankheitsquote aus. Allein die Abnahme bestimmter Unfallrisiken, körperlicher Schwerarbeit und witterungsbedingter Beeinträchtigungen könnte schon einen Rückgang der Fehlzeiten zur Folge gehabt haben.

Allerdings lässt sich das langjährige Sinken des Krankenstands nicht allein daraus erklären. Größere Wirkung wird der personellen Auslese zugeschrieben, die in den Unternehmen vor allem seit den 1990er Jahren stattfand. Dabei wurden die Belegschaften mit fortschreitender Rationalisierung auf ihren besonders leistungsfähigen Kern reduziert. Vor allem ältere und gesundheitlich angeschlagene Mitarbeiter mussten aus dem Arbeitsprozess ausscheiden, so dass der Krankenstand entsprechend zurückging.

Mit dem Beschäftigungsaufbau ab 2007 stieg er aber ganz allmählich wieder an und lag ab 2016 wieder deutlich über 4 %. Dabei spielte eine Rolle, dass die Arbeitnehmer wieder bis in ein höheres Alter berufstätig blieben. Zu einem guten Teil war die neuerliche Zunahme des Krankenstands – zusammen mit der Verlängerung der durchschnittlichen Krankheitsdauer – aber auch auf die sich wandelnden Arbeitsanforderungen zurückzuführen. Wie Berichte der Krankenkassen zeigen, hatte die fortwährende Arbeitsverdichtung höhere körperliche und zunehmend auch psychische Belastungen zur Folge. Wie sich der Corona-Ausbruch Anfang 2020 auf den Krankenstand auswirkte, ist noch nicht abzusehen. Vorübergehend war es möglich, sich beim Arbeitgeber auch ohne ärztliches Attest krank zu melden. (Weitere Informationen zur krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit enthalten die ZAHLENBILDER 280 225 und 280 230).

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 05/2020
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