Der Übergang in die Rente

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In (West-)Deutschland wurde ab Mitte der 1970er Jahre versucht, den Problemen des Arbeitsmarkts und der betrieblichen Produktivität durch Angebote zur Früh ...

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Der Übergang in die Rente

In (West-)Deutschland wurde ab Mitte der 1970er Jahre versucht, den Problemen des Arbeitsmarkts und der betrieblichen Produktivität durch Angebote zur Frühverrentung von Arbeitnehmern zu begegnen. Indem sich die Älteren vorzeitig aus dem Arbeitsleben zurückzogen, sollten sich Einstellungschancen für jüngere Arbeitskräfte eröffnen und Unternehmen die Möglichkeit erhalten, ihre Belegschaft zu verjüngen. Dies führte jedoch zu Fehlentwicklungen, denen die sozialen Sicherungssysteme auf Dauer nicht gewachsen waren: Das durchschnittliche Renteneintrittsalter sank, während sich die Rentenbezugsdauer auch dank steigender Lebenserwartung immer weiter verlängerte – von 11 Jahren (1970) auf über 19 Jahre (2014).

Um die vorhersehbaren Folgen des demographischen Wandels für den Arbeitsmarkt und die Alterssicherungssysteme abzumildern, schlug die Rentenpolitik ab den 1990er Jahren einen entgegengesetzten Kurs ein: Schrittweise wurde der vorgezogene Eintritt in die Rente erschwert und die reguläre Rentenaltersgrenze angehoben. (Abgesehen von der 2012 eingeführten Rente für besonders langjährig Versicherte, die ab 63 Jahren ohne Abschläge in Anspruch genommen werden kann.) Ziel dieser Politik war es, die Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten und damit zugleich die Rentenversicherung zu entlasten.

Wie sich zeigt, steigt das Renteneintrittsalter auf Grund der gesetzlichen Vorgaben inzwischen tatsächlich an (2014 wurden Altersrenten im Durchschnitt erst mit mehr als 64 Jahren in Anspruch genommen). Aus Befragungen im Rahmen des Alterssurveys 2014 ergibt sich aber, dass der Anteil der Rentenempfänger, die unmittelbar aus der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand wechseln, immer weiter schrumpft. Schafften 1996 noch 62 % der Befragten den direkten Sprung vom Beruf ins Rentnerdasein, so waren es 2014 nur noch 47 %. Mehr als die Hälfte hatte dagegen eine Phase beruflicher Inaktivität hinter sich: 18 % befanden sich im Vorruhestand oder in der Freistellungsphase der Altersteilzeit, 16 % waren arbeitslos, 7 % waren erwerbsunfähig oder für längere Zeit krank und 13 % gingen als Hausmänner, Hausfrauen oder sonstige Nichterwerbstätige in den Ruhestand über, darunter auch viele, die sich wegen mangelnder Aussichten auf dem Arbeitsmarkt ins Privatleben zurückgezogen hatten.

Diese zeitliche Lücke zwischen dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben und dem Eintritt in den Ruhestand ist nicht nur für die Betroffenen unbefriedigend, auch die Volkswirtschaft im Ganzen verliert dabei. Offenbar fehlt es zunehmend an Übergangspfaden, die es älteren Arbeitnehmern ermöglichen, entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit bis an die Rentenschwelle erwerbsaktiv zu bleiben.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 06/2016
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