Was der Euro noch wert ist

Was der Euro noch wert ist

Infografik Nr. 715591

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Als der Euro 1999 in elf Mitgliedstaaten der Europäischen Union eingeführt wurde, stand die Stabilität der gemeinsamen Währung ganz oben auf der Liste der politischen Absichten und Versprechungen. Schon im Vorfeld der Euro-Einführung hatten die beteiligten Staaten große Anstrengungen unternommen, um die Inflationsraten zu senken. Mit der Europäischen Zentralbank war zudem eine Instanz geschaffen worden, die unabhängig von den nationalen Regierungen den stabilitätspolitischen Kurs der Euro-Währungszone bestimmen und kontrollieren sollte.

Laut Definition der EZB herrscht Preisstabilität, wenn der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euroraum mittelfristig um weniger als 2 % jährlich ansteigt. In Ergänzung dazu gab der EZB-Rat bekannt, dass er zur Wahrung der Preisstabilität Inflationsraten von „unter, aber nahe bei 2 %“ anstrebt. Er will damit vermeiden, dass einzelne Euro-Länder oder die Eurozone insgesamt in eine Deflation, d.h. einen allgemeinen Rückgang des Preisniveaus, hineingeraten. Diese wäre ebenfalls schädlich, kann aber viel schlechter bekämpft werden. Eben diese Gefahr sah die Mehrheit des EZB-Rats nach der globalen Finanzkrise (2008/09) und der Staatsschuldenkrise im Euroraum (ab 2010) gegeben. Die EZB schlug deshalb den Kurs einer sehr weitgehenden geldpolitischen Lockerung ein, um die Konjunktur zu beleben und die Wertentwicklung des Euro wieder an das mittelfristige Stabilitätsziel heranzuführen.

Diesem Vorgehen war bisher allerdings noch nicht allzu viel Erfolg beschieden. Nach 2008 lag die jährliche Inflationsrate im Euroraum nur 2011 und 2012 noch einmal über der 2-Prozent-Marke. In den Jahren 2014 bis 2016 sowie 2020 stieg der Preisindex dagegen um lediglich 0,2 bis 0,4 % gegenüber dem Vorjahr. Erst 2021 zeichnet sich wieder ein etwas stärkerer Preisauftrieb ab. Eine Rückkehr der Geldpolitik in „normale“ Bahnen ist nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie vorerst nicht in Sicht.

Trotz der zuletzt sehr gemäßigten Preisentwicklung ergaben sich über den gesamten Zeitraum seit Einführung des Euro aber beträchtliche Wertverluste für die Verbraucher oder Sparer. In Deutschland verlor der Euro bis Ende 2020 rund ein Viertel (27%) seines ursprünglichen Werts. In Luxemburg und Spanien konnte man für einen Euro Ende 2020 gut ein Drittel weniger einkaufen als bei seiner Einführung. Als besonderer Fall erweist sich Irland: dort war die Inflationsrate bis zur Finanz- und Wirtschaftskrise überdurchschnittlich hoch, seitdem lag sie im Durchschnitt praktisch bei null. Über die gesamte Zeit verlor der Euro in Irland 29 % seines Ausgangswerts.

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