Hauptströmungen des Islam

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Infografik Nr. 691385

Hauptströmungen des Islam

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Hauptströmungen des Islam

Der Islam lässt sich nicht auf eine einzige Interpretation reduzieren. Abgesehen von den zahllosen persönlichen Glaubensformen haben sich im Laufe der islamischen Geschichte mehrere Konfessionen und vielfach sehr stark variierende religionsanschauliche Strömungen entwickelt. Die überwiegende Mehrheit der Muslime bilden mit etwa 80 % die Sunniten. Den Schiiten gehören etwa 10-15 % der Muslime an. Die Trennung in Sunniten und Schiiten war die erste und bedeutsamste Spaltung der Gemeinde der Gläubigen (umma). Sie entwickelte sich aus dem Streit über den Nachfolger Mohammeds als Leiter der Gemeinde (Kalif). Während den Sunniten (von sunna = Brauch) genügte, dass der Kalif der prophetischen Tradition treu blieb, bestanden die Schiiten darauf, dass er der Prophetenfamilie entstammt. Die Schiiten (von schiat ali = Partei Alis) sehen daher in Ali (ermordet 661), einem Vetter und Schwiegersohn Mohammeds, den letzten legitimen Kalifen. Seine vom sunnitischen Kalifat ausgeschlossenen Nachfolger, die Imame, sind nach dieser Auffassung die wahren Vorsteher der Gläubigen. Die größte schiitische Fraktion, die Zwölfer-Schia, glaubt, dass der zwölfte dieser Imame nicht gestorben, sondern nur „entrückt“ ist und in der messianischen Gestalt des Mahdi zurückkehren wird.

Staatsreligion ist die Zwölfer-Schia nur in Iran. Schiitische Bevölkerungsmehrheiten gibt es in Irak und Bahrain, bedeutende Minderheiten in Afghanistan, Pakistan, Zentralasien, Saudi-Arabien und Libanon. Neben der Zwölfer-Schia existieren weitere schiitische Richtungen wie die jemenitischen Zaiditen, die syrischen Alawiten oder die Ismailiten. Von letzteren haben sich die in Israel, Syrien und Libanon lebenden Drusen abgespalten. Eine relativ junge Glaubensgemeinschaft sind die vorwiegend in der Türkei lebenden Aleviten, die mit den Schiiten die Verehrung Alis teilen, deren Zugehörigkeit zum Islam allerdings umstritten ist. Innerhalb der Sunniten haben sich einflussreiche Strömungen gebildet, die jedoch nicht als eigene Konfessionen zu betrachten sind. Zu nennen sind hier vor allem das Sufitum (islamische Mystik) und der Wahhabismus, eine puritanische Islaminterpretation, die vom saudischen Königshaus vertreten wird.

Als Reaktion auf die Konfrontation mit der westlichen Moderne haben sich im 20. Jahrhundert zwei Richtungen islamischen Denkens entwickelt, der Traditionalismus und der Modernismus. Gemeinsam ist ihnen die prinzipielle Ablehnung der Trennung von Religion und Politik. Die Modernisten aber halten westliche Werte und demokratische Herrschaftsformen für vereinbar mit einem reformierten Islam. Traditionalisten dagegen lehnen Reformen und Neuerungen ab. Ihre Antwort auf die westliche Herausforderung besteht in der Rückkehr zum „reinen“ Islam mit der Scharia als Rechtsordnung.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 09/2011
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