Gruppe der 77 - die Entwicklungsländer in den UN

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Als bedeutendster Zusammenschluss von Ländern der Dritten Welt entstand 1964 die Gruppe der 77 (G-77). Sie versucht, die Interessen der Entwicklungsländer im Ganzen zu bündeln und sie in den internationalen Gremien möglichst mit einer Stimme zu vertreten.

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Eine der weltpolitisch folgenreichsten Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg war die Auflösung der Kolonialreiche, in deren Folge zahlreiche neue, unabhängige Staaten die internationale Bühne betraten. Entwicklungsdefizite im wirtschaftlichen wie im politischen Bereich kennzeichneten viele dieser Staaten, die so aus der unmittelbaren Kolonialherrschaft in eine neue Art der Abhängigkeit von den reichen Industrieländern hineingerieten. Im Rahmen der Vereinten Nationen mit ihrem Prinzip der Gleichberechtigung aller Mitglieder traten die sogenannten Entwicklungsländer aber mit wachsendem Selbstbewusstsein auf und suchten nach Formen gemeinsamer Interessenvertretung und Organisation.

Als bedeutendster Zusammenschluss von Ländern der Dritten Welt entstand 1964 die Gruppe der 77 (G-77): Zum Ende der ersten Sitzung der UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) in Genf beschlossen 77 Entwicklungsländer eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Position gegenüber den Industriestaaten definierten und ihren Anspruch auf eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung anmeldeten. Auf dem ersten Ministertreffen der G-77 wurde 1967 die Charta von Algier verabschiedet, ein umfangreicher Katalog von Forderungen und Absichtserklärungen vor allem zur internationalen Rohstoff- und Handelspolitik. Sie setzte Leitlinien, an denen sich der oft mühsame Dialog der Entwicklungsländer mit den reichen Staaten des "Nordens" in den folgenden zwei Jahrzehnten orientierte. Aus diesen Anfängen ging eine zunehmend fest gefügte Organisation hervor, der heute 134 Länder angehören. Die G-77 zählt dabei auch China mit, das sich selbst aber nicht als Mitglied betrachtet, wenngleich es politische und finanzielle Unterstützung leistet. Offiziell tritt die Organisation daher als "G-77 und China" auf.

Die Gruppe der 77 versucht, die Interessen der Entwicklungsländer im Ganzen zu bündeln und sie in den internationalen Gremien möglichst mit einer Stimme zu vertreten, darüber hinaus aber auch die Süd-Süd-Zusammenarbeit zu intensivieren. Ihr wichtigstes Aktionsfeld sind neben der UN-Generalversammlung die entwicklungspolitisch bedeutsamen UN-Organisationen, in denen sie zum Teil besondere Vertretungen gegründet hat: UNCTAD, FAO, UNIDO, UNESCO und UNEP. Beim IWF und der Weltbank fungiert die Gruppe der 24 als Sprachrohr für währungs- und finanzpolitische Interessen der Entwicklungsländer.

Der Vorsitz in der G-77 und ihren Untergruppierungen wechselt jährlich zwischen Afrika, Asien und Lateinamerika. Oberstes Beschlussorgan ist der sogenannte Südgipfel der Staats- und Regierungschefs, der zum ersten Mal im Jahr 2000 in Havanna und dann 2005 in Doha stattfand.

Seitenanzahl: 1
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 12/2018
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