Die Bewegung der Blockfreien

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Die Bewegung der Blockfreien

Auf der Konferenz von Bandung 1955 formulierten die aus kolonialer oder halbkolonialer Herrschaft befreiten Staaten Asiens und Afrikas erstmals ihren Anspruch auf eine gemeinsame, eigenständige Rolle in der Weltpolitik. Sie forderten die völlige Befreiung vom Kolonialismus, traten für eine Verständigung zwischen den beiden großen Machtblöcken in Ost und West ein und bekannten sich zum Prinzip der „friedlichen Koexistenz“ zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung.

Im September 1961 wurden die Prinzipien der Bandung-Konferenz wieder aufgegriffen, als in Belgrad die Staats- und Regierungschefs von 24 Staaten zur ersten Konferenz der blockfreien Staaten zusammenkamen. Neben dem jugoslawischen Präsidenten Tito nahmen u.a. Nehru (Indien), Sukarno (Indonesien), Nkrumah (Ghana) und Nasser (Ägypten) als bedeutende Führer der „Dritten Welt“ daran teil. In einer allgemeinen Deklaration unterstrichen die Teilnehmerstaaten die Bedeutung der blockfreien Welt für die Erhaltung des Friedens. Als Blockfreie gehörten sie keinem Militärpakt an, ohne sich jedoch als „neutral“ im klassischen Sinn zu verstehen; sie unterstützten die Unabhängigkeitsbestrebungen der noch bestehenden Kolonialgebiete, forderten Abrüstung und Entspannung, eine Lösung der wirtschaftlichen Probleme der unterentwickelten Länder und eine erweiterte Mitsprache in den Vereinten Nationen.

Schon auf den nächsten Konferenzen, in Kairo 1964 und in Lusaka 1970, zeigten sich deutliche Risse im Lager der Blockfreien. Die unterschiedliche Interessenlage der Mitgliedstaaten erschwerte auch eine Verständigung über die künftige Organisation und Zusammenarbeit. Dennoch blieb die Bewegung der Blockfreien (Non-Aligned Movement) als lockerer Zusammenschluss bestehen, der vor allem für die gemeinsamen politischen Interessen der Dritten Welt eintrat, während die politischen und sozialen Belange der Entwicklungsländer schwerpunktmäßig von der Gruppe der 77 (G-77) wahrgenommen wurden.

Wurden die Blockfreien zu Zeiten des Kalten Krieges noch von beiden Großmächten umworben, so führte dessen Ende zu einem Bedeutungsverlust, von dem sich die Bewegung noch kaum erholt hat. Ihr gemeinsamer Nenner besteht heute darin, dass ihre 120 Mitglieder (2012) keinem Militärbündnis angehören und zumeist auf eine koloniale Vergangenheit zurückblicken. Daraus leitet sich die vorherrschende Ablehnung der Hegemonie des Westens und insbesondere der USA ab, das Eintreten für einen Multilateralismus, in dem jeder Staat das gleiche Stimmrecht hat, sowie die Betonung der nationalen Souveränität und des Prinzips der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 10/2012
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