Kinder in bewaffneten Konflikten
Infografik Nr. 621181
Die Welt versinkt in immer neuen Kriegen und Konflikten. Und jedes Mal sind Kinder besonders davon betroffen. Der UN-Sicherheitsrat definierte sechs schwere Verstöße gegen internationales Recht, denen Kinder in bewaffneten Konflikten ausgesetzt sind. In welchen Ländern hatten Kinder am meisten darunter zu leiden?
Der Wandel im Charakter bewaffneter Konflikte – vom klassischen Staatenkrieg zu oft lang andauernden Bürgerkriegen – ist besonders für Kinder mit wachsenden Gefahren verbunden. Guerillataktiken und Terroranschläge, wie sie von bewaffneten Gruppen im Rahmen der asymmetrischen Kampfführung eingesetzt werden, unterlaufen die Unterscheidung zwischen Schlachtfeld und Hinterland, zwischen Kämpfern und Nichtkämpfenden, und nehmen auf die Schutzbedürftigkeit der Kinder keine Rücksicht. Andererseits greifen staatliche Truppen im Rahmen der Aufstands- und Terrorismusbekämpfung, aber auch in regulären Kriegen, oft zu Mitteln, durch die Kinder in Mitleidenschaft gezogen werden. Der zunehmende Einsatz von Drohnen und Künstlicher Intelligenz bringt Kinder zusätzlich in Gefahr.
Seit 1999 befasst sich der UN-Sicherheitsrat mit der Frage, wie Kinder vor solchen Entwicklungen geschützt werden können. Er hat sechs schwere Verstöße gegen internationales Recht definiert, denen Kinder in bewaffneten Konflikten ausgesetzt sind. Eine besonders gravierende Rechtsverletzung ist die ● Tötung und Verstümmelung von Kindern. Neben Terroranschlägen stellen Landminen, Blindgänger so-wie Raketen- und Drohnenangriffe in bewaffneten Auseinandersetzungen eine ständige Gefahr dar. Beim ● Einsatz von Kindersoldaten werden Kinder nicht nur als Kämpfer, sondern u.a. als Kundschafter und Kuriere missbraucht. Islamistische Gruppen setzen Kinder zudem als Selbstmordattentäter ein. Die Rekrutierung erfolgt oft gewaltsam. Minderjährige schließen sich aber auch aus materieller Not oder infolge traumatischer Gewalterlebnisse einer bewaffneten Organisation an. Ein weiteres Phänomen in gewaltsamen Konflikten ist die Ausübung ● sexueller Gewalt an Kindern. Vergewaltigungen werden zum Teil sogar systematisch als Mittel eingesetzt, um die Moral der gegnerischen Partei zu schwächen. Die ● Entführung von Kindern ist oft die Vorstufe zu sexuellem Missbrauch und anderen Verbrechen. Zunehmend wird über ● Angriffe auf Schulen oder Krankenhäuser berichtet. Einige islamistische Gruppen attackieren Schulen, weil sie säkulare Bildung oder den Schulbesuch von Mädchen ablehnen. Zum Teil werden Schulen oder Krankenhäuser aber auch genutzt, um sich hinter Zivilisten als menschlichen Schutzschilden zu verbergen. Ein weiterer Verstoß gegen das Völkerrecht ist die ● Verweigerung humanitärer Hilfe für Kinder.
Über die Verstöße erstattet der UN-Generalsekretär seit 2005 jährlich Bericht. Für das Jahr 2025 berichtet er von 24 270 Kindern, die schweren Verstößen ausgesetzt waren. Die meisten Meldungen lagen aus Israel und den Palästinensergebieten (insbesondere Gaza), der D.R. Kongo, Nigeria, Myanmar und Somalia vor.
| Ausgabe: | 10/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |