Gesellschaftliche Mitte und Rechtsextremismus
Infografik Nr. 095086
Dringen rechtsextreme und rechtspopulistische Einstellungen in die Mitte der Gesellschaft vor? Mit dieser Frage beschäftigt sich die "Mitte-Studie" der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Ergebnis gibt Grund zum Nachdenken. Oder ist doch alles nicht so schlimm? Stoff für Diskussionen, hier kurz und knapp aufbereitet!
In den Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung wird seit 2006 der Frage nachgegangen, ob und inwieweit rechtsextreme Einstellungen in Deutschland verbreitet und bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen sind. Diese Frage stellte sich in der Studie von 2024/25 vor dem Hintergrund zunehmender politischer Polarisierung und eines auch international erstarkenden Rechtspopulismus und organisierten Rechtsextremismus. Die Befragung, auf die sich die Studie stützte, erfasste die Haltung gegenüber rechtsextremen Positionen anhand der Reaktion auf 18 Aussagen, die sich wiederum auf sechs Dimensionen eines rechtsextremen Weltbilds bezogen: ● im politischen Bereich die Befürwortung einer Diktatur, eine nationalchauvinistische Einstellung, die die vorgebliche Überlegenheit Deutschlands aggressiv gegenüber anderen Ländern durchsetzen will, und die Verharmlosung oder gar Rechtfertigung des Nationalsozialismus; ● im gesellschaftlichen Bereich Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Sozialdarwinismus als Ausdrucksformen eines völkisch-rassistischen Menschenbilds, das nicht-deutsche, fremde, arme oder schwache Mitglieder der Gesellschaft pauschal abwertet und ausgrenzt. Die Haltung der Befragten gegen- über den 18 Aussagen wurde mithilfe einer Skala gemessen, die von völliger Ablehnung bis zu völliger Zustimmung reichte.
Wie die Auswertung ergab, lag der Anteil der Personen mit einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild 2024/25 bei 3,3% und damit deutlich niedriger als in der vorangehenden Mitte-Studie von 2022/23 (damals 8,3%). Gleichzeitig stieg die Ablehnung eines rechtsextremen Weltbilds um fast 5 Prozentpunkte auf 76,1%. Dazwischen blieb jedoch ein Graubereich von 20,6%, der weder eindeutige Zustimmung noch Ablehnung signalisiert. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die Haltung der gesellschaftlichen Mitte zur Demokratie und ihren Institutionen sowie zu den sozialen Minderheiten fragil erscheint und unter Druck steht. Daher der Titel der Studie: „Die angespannte Mitte“. Es bestehe die Gefahr einer schleichenden Normalisierung rechtsextremer Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft. Sichtbar wird dies vor allem an der Haltung zum Nationalchauvinismus, der weit über Nationalstolz oder nationales Zugehörigkeitsgefühl hinausgeht. Die auf ihn bezogenen Aussagen wurden 2024/25 von 19,8% der Befragten unterstützt. Die Mitte-Studie sieht darin ein gefährliches Einfallstor für rechtsextreme und rechtspopulistische Einstellungen in der gesellschaftlichen Mitte. Besonderen Grund zur Besorgnis liefert daneben die Tatsache, dass in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen 6,8% der Befragten ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild vertreten – ein Anteil, der doppelt so hoch ist wie in der Gesamtheit der Befragten.
| Ausgabe: | 02/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |