Bundestagswahlen 1949-2021 (Text)

Bundestagswahlen 1949-2021 (Text)

Infografik Nr. 088503

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Die innenpolitische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland stabilisierte sich nach ihrer Gründung 1949 recht schnell. Früh verengte sich das anfangs breite Parteienspektrum: Ab 1961 waren nur noch CDU/CSU, SPD und FDP im Bundestag vertreten. Diese Vereinfachung des Parteiengefüges beruhte zum Teil auf der 5 %-Klausel, die eine Zersplitterung der Kräfte verhindern sollte. Ausschlaggebend war jedoch die Konzentration der Wähler auf die zwei großen politischen Richtungen: CDU und CSU auf der Rechten, die SPD auf der Linken. Dazwischen spielte die FDP lange Zeit das „Zünglein an der Waage“.

In den ersten beiden Jahrzehnten der Bundesrepublik vereinigten CDU und CSU regelmäßig die Mehrheit der Wählerstimmen auf sich. Unter Konrad Adenauer (1949-63) gewannen sie 1957 sogar die absolute Mehrheit.  Nach Adenauers Rückzug erzielte die Union 1965 unter seinem Nachfolger Ludwig Erhard (1963-66) erneut einen hohen Wahlsieg. Nachdem die christlich-liberale Koalition im Streit um Steuererhöhungen zerbrochen war, kam es zur Bildung der ersten „Großen Koalition“ aus CDU/CSU und SPD. Unter dem CDU-Kanzler Kurt Georg Kiesinger (1966-69) gelangte die SPD damit auf Bundesebene erstmals an die Regierung.

Die SPD konnte in der Großen Koalition ihre Regierungsfähigkeit beweisen. Bei den Wahlen 1969 erreichte sie im Bündnis mit der FDP die notwendige Mehrheit für die Regierungsbildung. Unter ihrem ersten Kanzler Willy Brandt (1969-74) holte die SPD 1972 vor dem Hintergrund der intensiven Auseinandersetzungen um die neue Ostpolitik ihr bislang bestes Wahlergebnis und wurde erstmals stärkste Partei. Nach Brandts Rücktritt wegen der Guillaume-Affäre übernahm Helmut Schmidt (1974-82). In den Wahlen von 1976 und 1980 behielt die sozial-liberale Koalition ihre Mehrheit. 1982 erzwang die FDP jedoch das Ende der SPD-geführten Regierung und wechselte an die Seite der Union.

Mit der neuen Mehrheit aus CDU/CSU und FDP stürzte der Bundestag im Oktober 1982 Kanzler Schmidt per Misstrauensvotum und wählte den CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl (1982-1998) zum Bundeskanzler. Kohl sicherte seine Wahl zum Kanzler durch vorgezogene Neuwahlen ab, bei denen die Unionsparteien Anfang 1983 mit deutlichem Vorsprung vor der SPD gewannen. Bei dieser Wahl gelangte mit den GRÜNEN auch wieder eine neue Partei in den Bundestag. Die ersten gesamtdeutschen Wahlen 1990 bestätigten die schwarzgelbe Regierung; vor allem in den neuen Bundesländern fand die Regierung des „Einheitskanzlers“ Kohl hohe Zustimmung. Die parteipolitischen Strukturen in Ostdeutschland glichen sich rasch an die im Westen an. Ehemalige DDR-„Blockparteien“ und Parteigründungen der Nach-Wende-Zeit gingen bald in den entsprechenden Parteien westdeutscher Herkunft auf. Eine wichtige Ausnahme bildete die PDS, Nachfolgerin der DDR-Staatspartei SED, die sich ab 1990 als eigenständige ostdeutsche Regionalpartei etablierte.

Die großen Parteien verloren seit den 1980er Jahren an Bindekraft. So profitierte die SPD 1998 von der Wechselstimmung nach 16 Jahren Kohl-Regierung und holte noch einmal mehr als 40 % der Stimmen. Die daraufhin gebildete rot-grüne Regierung unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder (1998-2005) verprellte jedoch mit ihren Arbeitsmarktreformen vor allem sozialdemokratische Stammwähler. In der Folge kam die PDS im Bündnis mit der Protestgruppe WASG (ab 2007 als „Die LINKE“) auch im Westen zu größerem Erfolg. 2005 endete die rot-grüne Regierung in einer vorgezogenen Neuwahl.

Ab 2005 regierten CDU und CSU unter Angela Merkel 16 Jahre lang in wechselnden Koalitionen: zunächst in einer Großen Koalition mit der SPD, ab 2009 mit der FDP. Der FDP brachte ihre unglückliche Regierungsbeteiligung 2013 aber so dramatische Verluste, dass sie erstmals an der 5 %-Hürde scheiterte. So kam es erneut zu einer Großen Koalition. 2017 fiel die SPD auf ihr bis dahin schlechtestes Ergebnis im Bund. Auch CDU und CSU erlitten schwere Verluste. Als drittstärkste Kraft zog die rechtspopulistische AfD in den Bundestag ein. Da sich die FDP einer „Jamaika“-Koalition (mit CDU/CSU und GRÜNEN) verweigerte, ging die SPD noch einmal ein Regierungsbündnis mit der Union ein. In der Wahl 2021 erlitten die Unionsparteien einen so schweren Rückschlag, dass überraschend die SPD mit ihrem Kandidaten Olaf Scholz als stärkste Kraft aus ihr hervorging. Auch GRÜNE und FDP erstarkten, so dass eine „Ampelkoalition“ in greifbare Nähe rückte.

Reihe: 53
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Ausgabe: 12/2021
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