Die europäischen Leitzinsen

Die europäischen Leitzinsen

Infografik Nr. 715578

Preisstabilität für den Euro-Währungsraum ist das vorrangige Ziel der europäischen Zentralbank (EZB) und der mit ihr im Eurosystem verbundenen nationalen Zentralbanken. Normalerweise versucht sie, die Geldversorgung der Wirtschaft mit Hilfe ihrer geldpolitischen Instrumente so zu steuern, dass inflationären Tendenzen schon frühzeitig begegnet wird. Die Umsetzung der Geldpolitik erfolgt im Zusammenspiel mit den Banken, die sich zur Deckung ihres Liquiditätsbedarfs bei der Zentralbank „refinanzieren“.

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Preisstabilität für den Euro-Währungsraum ist das vorrangige Ziel der europäischen Zentralbank (EZB) und der mit ihr im Eurosystem verbundenen nationalen Zentralbanken. Normalerweise versucht sie, die Geldversorgung der Wirtschaft mit Hilfe ihrer geldpolitischen Instrumente so zu steuern, dass inflationären Tendenzen schon frühzeitig begegnet wird. Dahinter steht die Erfahrung, dass eine Politik des knappen Geldes am ehesten geeignet ist, die Stabilität einer Währung zu erhalten oder mittelfristig wieder herzustellen. Mit der Finanz- und Schuldenkrise ab 2008 rückte für die EZB jedoch die Sorge vor dem Zusammenbruch der Kreditmärkte, einem scharfen Abschwung der Wirtschaft und einem Abgleiten in die Deflation in den Vordergrund.

Die Umsetzung der Geldpolitik erfolgt im Zusammenspiel mit den Banken, die sich zur Deckung ihres Liquiditätsbedarfs bei der Zentralbank „refinanzieren“. Im Mittelpunkt stehen dabei die sogenannten Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Sie geben den Banken einmal wöchentlich Gelegenheit, sich –gegen Übertragung oder Hinterlegung ausreichender Sicherheiten – Zentralbankgeld zu beschaffen. Die Zentralbank steuert diese meist auf eine Woche befristeten Transaktionen gemäß den geldpolitischen Erfordernissen. Sie legt den Betrag fest, den sie dem Markt zur Verfügung stellen will, und bestimmt den Zinssatz, den die Banken dafür zu bezahlen haben und der als Leitzins auf den gesamten Geldmarkt ausstrahlt. Daneben bietet sie in monatlichem Rhythmus ein Refinanzierungsgeschäft mit dreimonatiger Befristung an, das vor allem der längerfristigen Geldversorgung kleiner Banken dient.

Darüber hinaus haben die Banken die ständige Möglichkeit, kurzfristige Liquiditätslücken mit Hilfe der nur für einen Tag gewährten und höher verzinslichen Spitzenrefinanzierungsfazilität zu überbrücken. Und andererseits können sie Liquiditätsüberschüsse über Nacht bei der Zentralbank „parken“ (Einlagefazilität).

Um der Gefahr einer deflationären Entwicklung zu begegnen, entschloss sich die EZB 2008/09, die Leitzinsen dramatisch zu senken. Und um zusätzlich Geld in die Märkte zu pumpen, kaufte sie von März 2015 bis Ende 2018 für 2,6 Billionen Euro Staats- und Unternehmensanleihen auf. Angesichts anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit setzt sie die Anleihekäufe ab 1.11.2019 fort und hält auch an ihrer Nullzinspolitik fest (der zentrale Leitzins liegt seit März 2016 bei 0 %). Zudem wurde der „Strafzins“ für Banken, die der EZB überschüssiges Geld überlassen wollen, zum 18.9.2019 auf -0,5 % verschärft. Eine Wende ist erst zu erwarten, wenn sich die Inflationsrate dem Zielwert von knapp unter 2 % annähert.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2019
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