Europäische Leitzinsen

Europäische Leitzinsen

Infografik Nr. 715578

Die europäischen Leitzinsen

Preisstabilität für den Euro-Währungsraum ist das vorrangige Ziel der europäischen Zentralbank (EZB) und der mit ihr im Eurosystem verbundenen nationalen Ze ...

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Die europäischen Leitzinsen

Preisstabilität für den Euro-Währungsraum ist das vorrangige Ziel der europäischen Zentralbank (EZB) und der mit ihr im Eurosystem verbundenen nationalen Zentralbanken. Normalerweise versucht sie, die Geldversorgung der Wirtschaft mit Hilfe ihrer geldpolitischen Instrumente so zu steuern, dass inflationären Tendenzen schon frühzeitig begegnet wird. Dahinter steht die Erfahrung, dass eine Politik des knappen Geldes am ehesten geeignet ist, die Stabilität einer Währung zu erhalten oder mittelfristig wieder herzustellen. Die Entscheidungen der EZB wirken allerdings nur indirekt und mit unterschiedlicher Verzögerung und zielen nicht zuletzt auf die Inflationserwartungen der wirtschaftspolitischen Akteure ab.

Die Umsetzung der Geldpolitik erfolgt im Zusammenspiel mit den Banken, die zur Deckung ihres Liquiditätsbedarfs auf die Versorgung mit Zentralbankgeld angewiesen sind, sich bei der Zentralbank „refinanzieren“ müssen. Im Mittelpunkt stehen dabei die sogenannten Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Sie geben den Banken einmal wöchentlich Gelegenheit, sich – gegen Übertragung oder Hinterlegung ausreichender Sicherheiten – Zentralbankgeld zu beschaffen. Die Zentralbank steuert diese meist auf eine Woche befristeten Transaktionen gemäß den geldpolitischen Erfordernissen. Sie legt den Betrag fest, den sie dem Markt zur Verfügung stellen will, und bestimmt den Zinssatz, den die Banken dafür (mindestens) zu bezahlen haben und der als Leitzins auf den gesamten Geldmarkt ausstrahlt. Daneben bietet sie in monatlichem Rhythmus ein Refinanzierungsgeschäft mit dreimonatiger Befristung an, das vor allem der längerfristigen Geldversorgung kleinerer Banken dient.

Darüber hinaus haben die Banken die ständige Möglichkeit, kurzfristige Liquiditätslücken mit Hilfe der nur für einen Tag gewährten und höher verzinslichen Spitzenrefinanzierungsfazilität zu überbrücken. Und andererseits können sie Liquiditätsüberschüsse über Nacht bei der Zentralbank „parken“ (Einlagefazilität).

In der Finanz- und Schuldenkrise ab 2008 rückte für die EZB jedoch die Sorge vor dem Zusammenbruch der Kreditmärkte, einem scharfen Abschwung der Wirtschaft und einem Abgleiten in die Deflation in den Vordergrund. Sie entschloss sich daher, die Leitzinsen dramatisch zu senken und die Geldschleusen zu öffnen. Ein Mittel dazu ist der im März 2015 begonnene, inzwischen bis März 2017 verlängerte Ankauf von Staatsanleihen und sonstigen Schuldtiteln im Umfang von 60 Milliarden € je Monat. Über-Nacht-Einlagen der Banken bei der Zentralbank wurden ab Juni 2014 mit einem „Strafzins“, d.h. einem negativen Zinssatz belegt. Der zentrale Leitzins liegt seit September 2014 bei nur noch 0,05 %.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 01/2016
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