Binnenflüchtlinge

Binnenflüchtlinge

Infografik Nr. 603228

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Nach der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gilt als Flüchtling, wer sich „aus begründeter Furcht vor Verfolgung ... außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt“. In den Jahren seit 1990 befanden sich nach dieser Definition jeweils zwischen 9 und 18 Millionen Menschen auf der Flucht. Sie hatten Anspruch auf Schutz durch das Aufnahmeland und auf Hilfe durch die UN-Flüchtlingsorganisation (UNHCR). Erst allmählich erwachte daneben das Bewusstsein für die Lage der sogenannten Binnenflüchtlinge – Menschen, die innerhalb ihres eigenen Landes durch Kriege, Bürgerkriege, bewaffnete Unruhen, ethnische oder religiöse Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen in die Flucht getrieben werden. Inzwischen wendet sich UNHCR mit seiner Hilfe verstärkt auch diesen Menschen zu.

Allein die Zahl der Binnenflüchtlinge zu erfassen wirft große Probleme auf. Seit 1998 hat sich das beim Norwegischen Flüchtlingsrat angesiedelte Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) zur Aufgabe gemacht, die Binnenfluchtbewegungen weltweit zu erfassen und zu analysieren. Oft kann es nur auf bruchstückhafte Informationen zurückgreifen, weil etwa die offiziellen Daten nur bestimmte Flüchtlingsgruppen einbeziehen oder sich nicht ermitteln lässt, wie viele Menschen außerhalb organisierter Lager Zuflucht gesucht haben. Oder die Angaben sind bereits überholt und lassen nicht erkennen, ob und für wie viele Vertriebene inzwischen eine Lösung gefunden wurde.

Laut IDMC hat sich die Zahl der Binnenflüchtlinge in der Welt seit der Jahrtausendwende fast verdoppelt. 2015 erreichte sie mit 40,8 Mio Menschen einen traurigen Rekord; 2016 lag sie mit 40,3 Mio nur geringfügig niedriger. Zu dieser Entwicklung trugen vor allem die zahlreichen Konflikte bei, die in der Folge des „arabischen Frühlings“ aufgeflammt waren – allen voran der Bürgerkrieg in Syrien, der allein 6,3 Mio Menschen aus ihrer Umgebung riss. In der gesamten Region Naher Osten und Nordafrika befanden sich 11,9 Mio Menschen auf der Flucht. Noch mehr Binnenflüchtlinge (12,2 Mio) gab es nur in Afrika südlich der Sahara, der immer noch am schwersten betroffenen Weltregion. Auf dem amerikanischen Kontinent war Kolumbien das Land mit den meisten Binnenflüchtlingen (7,2 Mio), eine Folge des jahrzehntelangen Konflikts mit den Rebellen und der wachsenden kriminellen Gewalt. In Europa/Zentralasien stellt sich die lange Dauer der Vertreibung mancher Gruppen (teils mehr als 20 Jahre) als schweres Problem dar. Dort ließ vor allem der Konflikt in der Ukraine die Flüchtlingszahlen drastisch ansteigen (auf 1,7 Mio). Die durch Naturkatastrophen verursachten Flüchtlingsströme sind in den genannten Daten noch nicht enthalten.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 06/2017
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