Lastenteilung in der NATO

Lastenteilung in der NATO

Infografik Nr. 621109

Die USA mahnen nicht erst seit Donald Trump an, dass Europa mehr für seine Verteidigung ausgeben soll.

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Die Debatte über die faire Aufteilung der Pflichten und Lasten im nordatlantischen Militärbündnis begleitet die NATO seit ihrer Gründung im Jahr 1949. Sie war geprägt von der immer wiederkehrenden Klage der USA über die zu geringen Verteidigungsanstrengungen der europäischen Partnerstaaten. Von den Europäern wurde verlangt, sich im eigenen Interesse stärker für ihre militärische Sicherheit zu engagieren und die USA dadurch als Schutzmacht für das westliche Europa zu entlasten oder – aus einem anderen Blickwinkel – sie in ihrer Rolle als Ordnungsmacht in den übrigen Teilen der Welt zu unterstützen. Im Hintergrund dieser Debatte standen aber nicht nur militärpolitische Fragen, sondern auch unterschiedliche Grundauffassungen über die Aufgaben staatlicher Politik und konkurrierende wirtschaftliche Interessen.

Gemessen wird die Lastenteilung an den nationalen Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten. Deren Summe lag 2020 bei schätzungsweise 1092 Mrd US-$. Knapp drei Viertel davon entfielen allein auf die USA. Die europäischen Bündnispartner – darunter führend Großbritannien, Deutschland und Frankreich – bestritten zusammen gerade einmal ein Viertel. Auch im Verhältnis zur Wirtschaftskraft wandten die USA mit 3,9 % ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) deutlich mehr für die Verteidigung auf als alle anderen NATOStaaten. In Europa dagegen blieben zahlreiche NATO-Länder unterhalb der selbstauferlegten Richtlinie von 2006, nach der die Verteidigungsausgaben mindestens zwei Prozent des BIP betragen sollen. Über diesem Richtwert lagen 2020 neben Griechenland (2,6 %), Großbritannien (2,4 %), Frankreich (2,1 %) und Norwegen (2,0 %) mehrere osteuropäische Länder, nämlich Rumänien (2,4 %), Estland (2,4 %), Lettland (2,3 %), Polen (2,3 %) und Litauen (2,1 %) – jeweils gerechnet zu Preisen und Wechselkursen von 2015. Deutschland bewegte sich mit 1,6 % im unteren Mittelfeld.

Ungleichgewichte gibt es nicht nur bei der Finanzierung, sondern auch bei den militärischen Fähigkeiten. Die sogenannte „Fähigkeitslücke“, der weite Abstand zwischen den modernen High-Tech-Waffen der USA gegenüber dem in weiten Teilen veralteten Gerät der Europäer, gefährdet nicht nur die Interoperabilität, also das effektive Zusammenwirken der NATO-Streitkräfte – sie hat auch zur Folge, dass die USA in der Regel die Hauptlast der Einsätze tragen. Um die Fähigkeitslücke zu verringern, vereinbarten die NATOStaaten 2006, mindestens 20 % der Verteidigungsausgaben in militärisches Großgerät zu investieren. Daran hielt sich 2020 gut die Hälfte der Mitgliedstaaten – darunter die Türkei (37 %), die USA (29 %), Frankreich (27 %) und Großbritannien (23 %). Deutschland blieb mit 17 % deutlich dahinter zurück.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 12/2020
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