Eheschließungen in Deutschland seit 1950

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Eheschließungen

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Eheschließungen

Wenn Paare heiraten, ist das zunächst ihre eigene, ganz private Entscheidung. Aber das Heiratsverhalten unterliegt auch starken äußeren Einflüssen: Religiöse Bindungen, wirtschaftliche Erwägungen, politische und rechtliche Maßnahmen tragen dazu ebenso bei wie die ungeschriebenen Regeln, was in einer Gesellschaft oder im jeweiligen sozialen Milieu als „normal“ und richtig gilt.

Ein Blick auf die Statistik zeigt einen lang anhaltenden Rückgang der Eheschließungen in Deutschland. In den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden noch viele bis dahin aufgeschobene Hochzeiten nachgeholt. 1950 war die Zahl der Eheschließungen (750450) so hoch wie seitdem nie wieder. Nach einem zeitweiligen Rückgang nahmen sie ab Mitte der fünfziger Jahre wieder zu. Vor allem wurde nun im Durchschnitt viel früher geheiratet, als es im ersten Nachkriegsjahrzehnt der Fall gewesen war. Dem Heiratsboom folgte in den sechziger Jahren eine Geburtenwelle. Wohl zu Recht erscheint diese Zeit, in der die Deutschen wieder einen bescheidenen Wohlstand erworben hatten und die Werte des häuslichen Glücks für sich entdeckten, als eine ausgesprochen familienorientierte Phase.

Die siebziger Jahre brachten in Westdeutschland eine Abkehr von diesem Verhaltensmuster: Es wurden nun immer weniger Ehen geschlossen, das Heiratsalter stieg und die Zahl der Geburten ging drastisch zurück. Dafür setzten sich Formen des nichtehelichen Zusammenlebens als gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit der Partnerbeziehung in weitem Umfang durch. In der früheren DDR blieb die Zahl der Eheschließungen dagegen bis zum Ende der achtziger Jahre hoch – nicht zuletzt ein Ergebnis der staatlichen Sozial- und Bevölkerungspolitik, die frühes Heiraten und Kinderkriegen belohnte. Der durch die deutsche Einigung ausgelöste Umbruch setzte dem jedoch ein abruptes Ende. An den dramatisch gesunkenen Heirats- und Geburtenziffern im Osten wird deutlich, wie tief die soziale Verunsicherung der „Wendejahre“ selbst in den privatesten Lebensbereich hineinwirkte. Vom Tiefpunkt der Jahre 1992/93 aus nahm die Heiratshäufigkeit allmählich wieder zu, blieb aber weit niedriger als zuvor.

Trotz der im Ganzen rückläufigen Entwicklung entschlossen sich in Deutschland im letzten Jahrzehnt aber immer noch um die 380000 Paare (4,6 je 1000 Einwohner), den Ehebund miteinander einzugehen. Die Entscheidung für die Ehe (als Erstheirat) fällt jedoch immer später, bei Männern im Durchschnitt mit knapp 34 Jahren, bei Frauen mit 31 Jahren. Eine wachsende Rolle spielen die Eheschließungen schon einmal verheirateter Partner. So brachte zuletzt über ein Viertel der Hochzeiter schon Eheerfahrungen mit.

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Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 12/2015
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