Energieimportabhängigkeit der EU

Energieimportabhängigkeit der EU

Infografik Nr. 755025

Die EU ist bei ihrer Energieversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Mehr als die Hälfte ihres Verbrauchs muss sie durch Einfuhren decken, und diese Abhängigkeit wird noch dadurch verschärft, dass sie ihre Einfuhren zu einem großen Teil aus krisenanfälligen Weltregionen bezieht. Die EU-Kommission sucht nach Auswegen, aber nach wie vor gibt es keine gemeinsame Energiepolitik.

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In der Europäischen Union gibt es keine gemeinsame Energiepolitik. Bestrebungen zur Schaffung eines vollständig integrierten Energie-Binnenmarkts (einer Energieunion) sind bisher eher bruchstückhaft geblieben. Ihnen liegen die im Artikel 194 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU festgelegten Ziele zugrunde: Sicherstellung eines funktionierenden Energiemarkts, Gewährleistung der Versorgungssicherheit in der EU, Förderung der Energieeffizienz und der Entwicklung neuer Energiequellen, Verknüpfung der Energienetze. Nach wie vor setzt aber jeder Mitgliedstaat auf seinen eigenen Energiemix und sein Versorgungsmodell und auch die Vernetzung der Gas- und Stromversorgung ist noch unzulänglich. Dabei sind alle 27 EU-Länder von Energieimporten abhängig und damit anfällig für Blockaden, die ihre Versorgungssicherheit gefährden.

Unter den Mitgliedstaaten variiert der Grad der Importabhängigkeit aber zum Teil erheblich. So sind die Kleinstaaten Malta, Luxemburg und Zypern fast vollständig auf Importe angewiesen, um ihren Energiebedarf zu decken. Dagegen haben Schweden und das kleine Estland die niedrigsten Abhängigkeitsquoten. Das hängt einerseits mit dem heimischen Energiebedarf zusammen, der in einem weniger entwickelten und bevölkerungsärmeren Land entsprechend geringer ist als in den bevölkerungsreichen Industriestaaten Westeuropas. Andererseits spielt auch die eigene Ressourcenausstattung eine wichtige Rolle. So war etwa Dänemark dank seiner Öl- und Gaslagerstätten in der Nordsee (und zunehmend auch seiner Windkraftanlagen) bis 2013 sogar Nettoexporteur von Energie. Und Schweden profitiert von seinen erneuerbaren Energiequellen. Deutschland ist zu 67 % von Energieeinfuhren abhängig und liegt damit deutlich oberhalb des EU-Durchschnitts von 57 % (2024). Vierzehn weitere EU-Länder sind zu mehr als 50 % auf Energieimporte angewiesen, darunter Italien (74 %) und Spanien (69 %).   

Die Energieimportabhängigkeit der EU wird noch dadurch verschärft, dass sie ihre Einfuhren zu einem großen Teil aus krisenanfälligen Weltregionen bezieht. Die Risiken der Abhängigkeit von einzelnen Hauptlieferanten führte Russlands Krieg gegen die Ukraine mit ungeahnter Dringlichkeit vor Augen. Die EU reagierte darauf mit dem REPowerEU-Plan von 2022. Dieser setzt auf verstärkte Energieeinsparungen und Effizienzgewinne, auf eine breitere Streuung der Lieferquellen und den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Um die Modernisierung der Energieinfrastruktur zu voranzutreiben, schlug die EU-Kommission Ende 2025 ein Netzpaket vor, einschließlich Plänen für acht „Energieautobahnen“. 

Ausgabe: 09/2026
Produktformat: eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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