Atypische Beschäftigung

Atypische Beschäftigung

Infografik Nr. 247225

Fast ein Fünftel aller Beschäftigten in Deutschland steht in einem "atypischen" Arbeitsverhältnis – mit einem befristeten Arbeitsvertrag, als Minijobber, Leiharbeiter oder in einer Teilzeitbeschäftigung. Wie hat sich die Zahl dieser Arbeitsverhältnisse seit den 1990er Jahren entwickelt? Was sind ihre Nachteile? Und wem nützen sie?

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Kennzeichen „normaler“ Arbeitsverhältnisse ist die unbefristete, arbeitsvertraglich abgesicherte, sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung regulärer Arbeitnehmer. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wurde dieses traditionelle Beschäftigungsmuster seit den 1980er Jahren in einem beträchtlichen Ausmaß durch atypische Arbeitsformen verdrängt bzw. ergänzt. Als „atypisch“ gelten Beschäftigungen, die im Vergleich zum vollwertigen Arbeitsverhältnis deutliche Risiken und Beschränkungen für die Beschäftigten mit sich bringen, weil sie etwa von vornherein befristet sind, kein existenzsicherndes Einkommen abwerfen oder arbeits- und sozialrechtlich unzureichend abgesichert sind.

Anhand des Mikrozensus lässt sich die Entwicklung atypischer Arbeitsverhältnisse über einen längeren Zeitraum verfolgen. Die Zahl der atypisch Beschäftigten stieg zwischen 1995 und 2020 von 4,85 auf 7,95 Mio, ging seitdem aber mit einigen Schwankungen wieder zurück. Einen deutlichen Rückgang gab es im Corona-Jahr 2020, als atypisch Beschäftigte während der Lockdowns rascher ihren Arbeitsplatz verloren, und erneut ab 2023. Waren 1995 rund 16 % der Arbeitnehmer atypisch beschäftigt, so kletterte dieser Anteil 2010 auf nahezu 26 %. Bis 2025 schrumpfte er wieder auf knapp 19 %. Das „Jobwunder“ der Jahre ab 2005 beruhte anfangs zu einem guten Teil auf der Zunahme atypischer Arbeit, ab 2011 entstanden jedoch überwiegend wieder Normalarbeitsplätze. Dies war 2022-2024 bei zunehmendem Arbeitskräftemangel verstärkt der Fall, ehe die wirtschaftliche Stagnation den Beschäftigungsaufbau stoppte. Als „atypisch“ gelten ● Minijobs, ● befristete Arbeitsverhältnisse, ● Teilzeitarbeit von bis zu 20 Wochenstunden sowie ● Zeitarbeit (Leiharbeit). Würde auch Teilzeit mit größerem Stundenumfang einbezogen, fiele der Anteil atypischer Arbeitsverhältnisse noch höher aus.

Die Ursachen für die zeitweise kräftige Zunahme der atypischen Beschäftigung sind vielschichtig. Arbeitgeber nutzten sie, um den Einsatz von Arbeitskräften flexibler an die Bedarfslage anzupassen und Kosten einzusparen. Durch Deregulierung des Arbeitsmarkts ebnete der Staat den Boden dafür. Für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen wiederum bietet atypische Beschäftigung häufig eine Möglichkeit, berufliche und private Pflichten miteinander zu vereinbaren. Sie können den (Wieder-)Einstieg ins Arbeitsleben erleichtern, dienen aber oft auch nur als Ausweichlösung, bis ein Normalarbeitsplatz gefunden wird Atypische Beschäftigung, so zeigt auch der Mikrozensus 2025, ist überwiegend Frauensache: 28 % aller Arbeitnehmerinnen, aber nur knapp 12 % der männlichen Arbeitnehmer stehen in einem derartigen Arbeitsverhältnis. 

Ausgabe: 10/2026
Produktformat: eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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