Verdienste im West-Ost-Vergleich

Verdienste im West-Ost-Vergleich

Infografik Nr. 286142

Verdienste im West-Ost-Vergleich

Die Einkommenslage der Arbeitnehmer in Deutschland ist auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer noch durch ein deutliches West-Ost-Gefälle gekennzeichnet. ...

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Verdienste im West-Ost-Vergleich

Die Einkommenslage der Arbeitnehmer in Deutschland ist auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer noch durch ein deutliches West-Ost-Gefälle gekennzeichnet. Zwar hatten sich die Durchschnittsverdienste der ostdeutschen Arbeitnehmer in den ersten Jahren nach der deutschen Einigung zügig an die ihrer westdeutschen Kollegen angenähert. Ab Mitte der 1990er Jahre machte die Angleichung der Arbeitsverdienste aber nur noch mäßige Fortschritte.

Im Jahr 2014 belief sich der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Westdeutschland (einschl. Berlin) auf 4035 €, in Ostdeutschland dagegen auf 2935 € – Sonderzahlungen jeweils anteilig berücksichtigt. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg lag das Lohnniveau im Osten damit um rund ein Viertel niedriger als im Westen. Schlüsselt man diese Durchschnittswerte nach Wirtschaftszweigen auf, fällt der West-Ost-Abstand zum Teil geringer, zum Teil aber auch noch wesentlich größer aus. So verdienten die Vollzeitbeschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe der ostdeutschen Länder 2014 etwa 35 % weniger als im alten Bundesgebiet. Im Handel betrug der Verdienstabstand 34 %, bei den unternehmensnahen Dienstleistungen waren es 32 %. Im Baugewerbe, im Verkehrsgewerbe und bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen blieben die Ostverdienste um 22 bis 26 % hinter den westdeutschen Vergleichswerten zurück. Anders jedoch in der öffentlichen Verwaltung, wo der frühere Verdienstabstand durch die Tariflohnangleichung von 2009/2010 weitgehend eingeebnet wurde.

In fast allen Wirtschaftszweigen waren die West-Ost-Lohndifferenzen bei den Männern wesentlich größer als bei den Frauen. Im Durchschnitt lag der Bruttomonatsverdienst der vollzeitbeschäftigten Männer im Osten um 30 % unter denen im Westen; bei den Frauen betrug der Abstand nur 18 %. Das ist u.a. darauf zurückzuführen, dass die weiblichen Beschäftigten in Ostdeutschland tendenziell höher qualifizierte Tätigkeiten ausüben und eine durchgängigere Berufslaufbahn aufweisen als ihre West-Kolleginnen.

Dass insgesamt noch immer ein so starkes West-Ost-Lohngefälle besteht, erklärt sich aus Unterschieden der Beschäftigten- und Betriebsgrößenstruktur, insbesondere aber aus der geringeren Tarifbindung der ostdeutschen Privatwirtschaft. So haben die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelten Tariflöhne im Osten zwar häufig schon westdeutsches Niveau erreicht, viele Ost-Unternehmen unterliegen aber keinem Tarifvertrag und zahlen weit unter dem Tarif ihrer Branche. Tarif- und Effektivverdienste weichen daher im Osten viel stärker voneinander ab als im Westen.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 04/2015
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