Miete und Einkommen

Miete und Einkommen

Infografik Nr. 293740

Das Schwabe'sche Gesetz besagt, dass die Mietbelastung – der Teil des Haushaltseinkommens, der für die Miete aufgewandt werden muss – für sozial schwächere Haushalte in der Regel wesentlich größer ist als für die besserverdienenden. Der Spielraum, der ihnen für weitere Ausgaben bleibt, ist daher entsprechend schmaler.

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„Je ärmer jemand ist, einen desto größeren Teil seines Einkommens muss er für Wohnung verausgaben.“ Dieses „Gesetz“, 1886 von dem Statistiker Hermann Schwabe formuliert, trifft auf das Verhältnis zwischen Mieten und Einkommen auch heute zu. Das Schwabe'sche Gesetz besagt, dass die Mietbelastung – der Teil des Haushaltseinkommens, der für die Miete aufgewandt werden muss – für sozial schwächere Haushalte in der Regel wesentlich größer ist als für die besserverdienenden. Der Spielraum, der ihnen für weitere Ausgaben bleibt, ist daher nicht nur dem Betrag nach, sondern auch im prozentualen Verhältnis zum Einkommen entsprechend schmaler.

Nach den Ergebnissen einer Zusatzbefragung im Rahmen des Mikrozensus 2018 gaben die deutschen Mieterhaushalte im Durchschnitt rund 27 % ihres Nettoeinkommens für die sogenannte Bruttokaltmiete aus. Darin sind außer der eigentlichen Grundmiete noch die Umlagen für Wasser, Kanalisation, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Beleuchtung usw. enthalten, nicht jedoch die Nebenkosten für Heizung und Warmwasserversorgung. Die Mietbelastung lag damit bei mehr als einem Viertel des Einkommens, ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Erhebungen. Darin spiegelte sich die zunehmende Anspannung auf den Wohnungsmärkten wider. Besonders drastisch waren die Mietpreissteigerungen der letzten Jahre in den sieben größten Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf. Entsprechend hoch waren dort die Mietbelastungsquoten: In Hamburg oder Köln mussten Haushalte schon rund 30 % ihres Einkommens für die Kaltmiete aufwenden. Betrachtet man die Bundesländer, so war die Mietbelastung in den ostdeutschen Ländern generell niedriger als in den westdeutschen.

Der Blick auf die Höhe des Einkommens bestätigt das Schwabe'sche Gesetz: Während Mieterhaushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen zwischen 3 200 und 4 500 € im Durchschnitt nur etwa 18 % davon fürs Wohnen ausgaben, beanspruchte die Miete bei Geringverdienern mit weniger als 900 € im Monat im Schnitt fast die Hälfte (47 %) des Monatsbudgets. Die Mietbelastung hängt aber auch entscheidend mit der Haushaltsgröße zusammen: Alleinstehende z. B. erzielen in der Regel ein niedrigeres Einkommen als ein Mehrpersonenhaushalt, wohnen aber auch schon deshalb relativ aufwendig, weil die Grundausstattung (Küche, Bad usw.) nur von einer Person genutzt wird. Damit die Miete sozial schwächeren Haushalten nicht ganz über den Kopf wächst, leistet der Staat finanzielle Hilfe durch Wohngeld oder durch Übernahme der Wohnkosten im Rahmen der Grundsicherung.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 05/2020
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