Kaufkraftparitäten (KKP)

Kaufkraftparitäten (KKP)

Infografik Nr. 200321

Kaufkraftparitäten sind Preisrelationen, die angeben, wie viele Einheiten inländischer Währung erforderlich sind, um die gleiche Menge an einem Gut oder an einem Bündel von Gütern zu erwerben, die für eine Einheit einer bestimmten ausländischen Währung erhältlich ist. Bezogen auf die Summe an Waren und Dienstleitungen in einer Volkswirtschaft dienen Kaufkraftparitäten als Umrechnungsfaktoren zwischen zwei Währungen.

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Jeder Urlaubsreisende macht im Ausland die Erfahrung, dass die Preise der Waren und Dienstleistungen, die er dort kaufen kann, höher oder niedriger sind als im eigenen Land. Eine einfache Rechnung könnte so aussehen, dass ein Espresso in der Währung des Urlaubslands etwa 1,5 mal so viel kostet wie in Euro zu Hause. Das wäre die schlichteste Form einer Kaufpreisparität (KKP). Komplizierter wird es, wenn Kaufpreisparitäten übergreifend für ganze Warengruppen – wie z. B. Obst und Gemüse, Herrenbekleidung, Heimelektronik – ermittelt werden sollen. In diesem Fall wird ein Durchschnitt aus den Kaufpreisparitäten aller einzelnen Güter gebildet. Die nächste Stufe besteht darin, gewichtete Kaufpreisparitäten für bestimmte Rubriken der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung festzustellen, z. B. für die privaten Konsumausgaben oder den Individualverbrauch, der auch staatlich finanzierte Güter und Dienstleistungen einschließt. Die Gewichtung ergibt sich anhand der Ausgaben für die einzelnen Gütergruppen, wie sie in den Konten der Inlandsproduktberechnung verzeichnet sind.

Von dieser Basis aus werden die für jedes Land in nationaler Währung vorliegenden Daten zum Brutto-inlandsprodukt und seiner Verwendung in eine gemeinsame Währung (z. B. Kaufkraftstandards, internationale Dollars) umgerechnet und so miteinander vergleichbar gemacht. Die Unterschiede des Preisniveaus und die oft schwankenden Wechselkurse bleiben dadurch ausgeklammert: Verglichen werden nicht die nominalen Angaben, sondern die realen Größen, das Volumen.  

Im Rahmen des von der Weltbank koordinierten International Comparison Program trugen 2017 mehr als 170 Länder der Erde zur Sammlung der Daten für den internationalen Vergleich bei. Das Ergebnis sind Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und seiner Verwendung, in denen die wahren Verhältnisse zum Ausdruck kommen. Typischerweise liegen die Industrieländer im internationalen Vergleich weit vorn, wenn ihr BIP anhand der Wechselkurse in laufende US-Dollars umgerechnet wird. Schwellen- und Entwicklungsländer schneiden dabei regelmäßig schlechter ab. Anders sieht es aus, wenn der Vergleich auf KKP-Basis erfolgt – besonders augenfällig am Beispiel Chinas und der USA. Tragen die USA im ersten Fall 24,4 % zur gesamten Weltwirtschaftsleistung bei und China „nur“ 16,3 %, so kehrt sich die Reihenfolge um, wenn KKP-Werte zugrundegelegt werden: China 17,7 %, USA 16,1 % (Zahlen für 2019). Über die wirtschaftliche Stärke beider Länder ist damit allerdings noch nicht alles gesagt. Dazu müsste u. a. auch der Kapitalstock, der angehäufte wirtschaftliche Reichtum, in Betracht gezogen werden.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 08/2020
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