Kapitalismus

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Infografik Nr. 200081

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Der Begriff „Kapitalismus“ kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf, um die parallel zur Industrialisierung entstandene Wirtschaftsordnung zu kennzeichnen. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen einem moralisch anklagenden Begriffsgebrauch und einer mehr an wertfreier Analyse interessierten Theoriebildung. Einige Kernmerkmale des Kapitalismus lassen sich in allen Interpretationen ausmachen. An erster Stelle steht die zentrale Bedeutung des „Kapitals“, verstanden als die zur Güterherstellung erforderlichen Produktionsmittel. Im Kapitalismus befinden sich die Produktionsmittel in Privateigentum, also in den Händen der Unternehmen. Ihnen gegenüber stehen die Arbeitnehmer, die über keine Produktionsmittel verfügen und ihre Arbeitskraft wie eine Ware am freien Markt verkaufen müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Freie Marktwirtschaft, bei der das Wirtschaftsgeschehen über den Markt reguliert wird, ist also ebenfalls ein typisches Kennzeichen des Kapitalismus. Weitere Merkmale sind das Profitstreben der Unternehmen sowie die Ziele der Gewinnmaximierung und der beständigen Akkumulation (Vermehrung) von Kapital, um in der Konkurrenz mit anderen Unternehmen bestehen zu können.

Unter dem Eindruck des ungezügelten „Hochkapitalismus“ im 19. Jahrhundert, der zur Verarmung weiter Teile der Gesellschaft geführt hatte, formulierte Karl Marx seine Kapitalismuskritik und zeichnete das Bild vom Kampf zwischen einer ausbeutenden „Kapitalistenklasse“ und einer ausgebeuteten „Arbeiterklasse“. Eine solche Klassengrenze war aber schon zu Marxens Zeit nicht trennscharf zu ziehen, und heute in der Dienstleistungsgesellschaft muss das Bild vom Klassengegensatz vollends als überholt gelten. Die moderne Kapitalismuskritik betont aber weiterhin Ausbeutungsstrukturen – nicht nur innerhalb der Industriestaaten, sondern auch in der internationalen Arbeitsteilung. Ausbeuterisch sei auch das Verhältnis zu den planetaren Ressourcen, denn Umwelt- und Klimaschutz werde dem Ziel der Gewinnmaximierung untergeordnet. Darüber hinaus stellt die zeitgenössische Kapitalismuskritik auf die negativen gesellschaftlichen Folgen einer auf Wettbewerb fixierten Wirtschaftsordnung ab. Der allgegenwärtige wirtschaftliche Wettbewerbsdruck produziere einen sozialpsychologischen Zwang zur permanenten Selbstoptimierung und verstärke die egoistische Seite der menschlichen Natur. Die Befürworter des kapitalistischen Modells halten dagegen, dass der Kapitalismus beeindruckende technische Fortschritte hervorgebracht habe, die den Wohlstand für alle gesellschaftlichen Schichten, gerade auch für die Schwachen, vermehrt hätten. Außerdem greife der Staat heute, anders als im 19. Jahrhundert, vielfach regulierend in das Wirtschaftssystem ein und mindere so die Härten, die dem Kapitalismus angekreidet werden.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 04/2021
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