Sozialismus

Sozialismus

Infografik Nr. 200084

Was versteht man eigentlich unter „Sozialismus“? Das ZAHLENBILD versucht eine historische Einordnung und bezieht auch den bedeutungsgeschichtlichen Wandel ein. Hier herunterladen!

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Im weiteren Sinne „sozialistische“ Ideen finden sich schon im Christentum oder in den Sozialutopien der Renaissance. Als politische Ideologie entstand der Sozialismus aber erst im 19. Jahrhundert. Gemeinsam sind allen sozialistischen Strömungen die Forderungen nach einer gerechten Eigentums- und Gesellschaftsordnung, nach Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Grundsätzlich versteht sich der Sozialismus als Gegenmodell zum Kapitalismus, dem er strukturelle Ausbeutung vorwirft.

Was aber genau unter „Sozialismus“ zu verstehen ist, wird je nach ideologischer Strömung anders interpretiert. Zudem unterlag der Begriff „Sozialismus“ einem bedeutungsgeschichtlichen Wandel. Vorformen werden unter der Sammelbezeichnung Frühsozialismus (1789-1848) zusammengefasst, darunter der utopische Sozialismus, der auf einen freiwilligen Umbau der Gesellschaft setzt, und der Anarchismus, der jede Form von politischer Herrschaft ablehnt. Zur wirkmächtigsten Strömung sollte der Marxismus werden, dessen Kernthesen Karl Marx und Friedrich Engels um 1847 entwickelten: In der Geschichte seien die materiellen Produktionsverhältnisse der entscheidende Faktor, der letztlich die politische Ordnung, das Rechtssystem und die herrschende Ideologie bestimme (historischer Materialismus). Motor der Geschichte seien stets die Klassenkämpfe zwischen einer herrschenden, besitzenden Klasse und einer unterdrückten, besitzlosen Klasse – ob Feudalherr und Leibeigener im Mittelalter oder Bourgeois und Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung. Der Sozialismus ist in diesem Verständnis nicht nur Ideologie, sondern eine Herrschaftsform, nämlich die Diktatur der Arbeiterklasse, die nur durch eine Revolution, also den Umsturz der bestehenden Ordnung, erreicht werden kann. Diese sozialistische Herrschaft ist wiederum nur eine Übergangsstufe zum utopischen Zustand des Kommunismus, in dem es keinerlei Klassen mehr gibt.

Im Zuge des Ost-West-Konfliktes verschoben sich die Begriffsbedeutungen erneut. In den 1920er Jahren entstand der Marxismus-Leninismus auf Basis der Lehren von Wladimir Iljitsch Lenin. Propagiert von Josef Stalin wurde er zur Staatsideologie in der Sowjetunion und ihrem Einflussbereich. Die dortigen von „Kommunistischen Parteien“ geführten Diktaturen sahen sich als Verwirklichung des „real existierenden Sozialismus“. Einen ganz anderen Weg schlug Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem demokratischen Sozialismus bzw. der Sozialdemokratie ein. Diese Strömung setzt nicht auf Revolution und Diktatur, sondern auf sozialistische Reformen innerhalb parlamentarischer Demokratien. Auch die Idee des Klassenkampfes lehnt sie zugunsten eines pluralistischen Verständnisses von Gesellschaft ab.

Reihe: 53
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Ausgabe: 04/2021
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