Komparative Kostenvorteile

Komparative Kostenvorteile

Infografik Nr. 200249

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Dass sich Handel lohnt, wenn zwei Länder bei der Güterproduktion unterschiedliche Stärken haben, leuchtet unmittelbar ein. Dazu ein Beispiel: Deutschland als Industrieland kann Autos effizienter produzieren als Ghana, Ghana wiederum kann aufgrund seiner klimatischen Bedingungen Kakao kostengünstiger herstellen als Deutschland. Somit hat jedes Land gegenüber dem anderen einen absoluten Kostenvorteil. Es ist daher sinnvoll, wenn Deutschland Autos produziert und Ghana Kakao – dann tauscht Deutschland seine Autos gegen Ghanas Kakao ein und die beiden Länder treiben einen beiderseits lohnenswerten Handel. Nicht ganz so offensichtlich ist es, dass sich Handel auch dann lohnen kann, wenn ein Land alle Güterarten weniger effektiv produziert als ein anderes . Warum sollte in diesem Fall das überlegene Land mit dem unterlegenen Handel treiben? Dass ein solcher Handel dennoch gewinnbringend sein kann – und zwar für beide Seiten –, hat der englische Nationalökonom David Ricardo (1772-1823) nachgewiesen.

Ricardo illustrierte seine Überlegungen am Beispiel der Länder England und Portugal. England stand zu Ricardos Zeit noch am Anfang seiner Industrialisierung, und so ist Portugal in Ricardos Beispiel noch das überlegene Land: Es kann sowohl die Ware Tuch als auch die Ware Wein mit geringerem Arbeitseinsatz produzieren als England. Entscheidend ist aber folgende Rechnung: Wenn England auf die Herstellung von Wein verzichtet, können die damit beschäftigten Arbeiter in unserem Beispiel stattdessen 120 Einheiten Tuch produzieren. Je Einheit Tuch verliert es mithin 0,83 Einheiten Wein. Portugal kann statt 100 Einheiten Wein nur 89 Einheiten Tuch herstellen; ihm gehen je Einheit Tuch folglich 1,125 Einheiten Wein verloren. Es „kostet“ England im Vergleich mit Portugal also weniger, wenn es seine Arbeitskraft statt in die Produktion von Wein in die von Tuch steckt. Das heißt, es hat bei der Produktion von Tuch einen komparativen Kostenvorteil. Umgekehrt ist es für Portugal günstiger, wenn es sich auf Wein spezialisiert. Wenn also England nur Tuch herstellt und Portugal nur Wein, sind beide Länder produktiver und die Gesamtmenge der produzierten Güter vergrößert sich. Deshalb ist Spezialisierung und wechselseitiger Handel auch für Portugal vorteilhaft, selbst wenn es in Ricardos Beispiel absolut gesehen überlegen ist.

Ricardos Konzept der komparativen Kostenvorteile liefert in seiner mathematischen Präzision bis heute ein bestechendes Argument für die Vorzüge des freien Handels und der internationalen Arbeitsteilung. Es ist allerdings kein statisches Konzept. Komparative Vorteile können sich verlagern – zum Beispiel, wenn Entwicklungsländer sich industrialisieren und dabei ihre Produktionsstrukturen verändern.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 05/2021
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