Der Keynesianismus

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Infografik Nr. 200243

Der Keynesianismus

Der britische Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes (1883-1946) gehört zu den wirkmächtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Seine Thesen, dargelegt ...

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Der Keynesianismus

Der britische Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes (1883-1946) gehört zu den wirkmächtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Seine Thesen, dargelegt im Hauptwerk „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ von 1936, revolutionierten die Wirtschaftswissenschaften und prägten die Wirtschaftspolitik der Industriestaaten in der Nachkriegszeit. Keynes entwickelte seine Theorie unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise von 1929 und der grassierenden Massenarbeitslosigkeit. Dieses Phänomen widersprach der klassischen liberalen Theorie nach Adam Smith (1723-1790), nach der Angebot und Nachfrage an einem freien Markt von Natur aus zum Gleichgewicht tendieren, gleichsam gesteuert von einer „unsichtbaren Hand“. Demnach müsste es praktisch immer Vollbeschäftigung geben, weil eine sinkende Nachfrage und ein entsprechend sinkender Arbeitskräftebedarf durch die Absenkung der Löhne aufgefangen werden könne.

Keynes widerspricht dieser Annahme von einem „natürlichen“ Gleichgewicht des Marktes. Stattdessen könne der Markt auch versagen – nämlich dann, wenn die Nachfrage einbricht und als Motor der Konjunktur wegfällt. In dieser Situation führen Lohnsenkungen, die das Einkommen der privaten Haushalte schmälern, nur zu einem weiteren Rückgang der Nachfrage und verschlimmern so das Problem. Um den Teufelskreis zu durchbrechen muss der Staat einschreiten, indem er die ausgefallene Nachfrage durch staatliche Ausgaben (öffentliche Aufträge, Konjunkturpakete u.ä.) ankurbelt, nötigenfalls auch durch Verschuldung („deficit spending“). Geldpolitische Maßnahmen, insbesondere die Senkung von Zinsen zur Förderung von Investitionen, können ebenfalls eingesetzt werden, allerdings schreibt Keynes ihnen eine nur begrenzte Wirkung zu. In den Hochphasen der Konjunktur soll der Staat dagegen die Nachfrage dämpfen, z.B. durch Steuererhöhungen, mit denen gleichzeitig die in der Not geleerten Staatskassen wieder aufgefüllt werden können. Eine solche Politik, die den regelmäßig (zyklisch) auftretenden Konjunkturschwankungen entgegensteuert, wird als antizyklische Konjunkturpolitik bezeichnet.

Der Keynesianismus verlor in den 1970er Jahren an Einfluss, als der Nachkriegsboom abflaute und die Industriestaaten vielerorts in eine Stagflation (stagnierendes Wachstum bei hoher Inflation) gerieten. Hierauf hatte die keynesianische Theorie keine Antworten. An ihre Stelle traten neoliberale Konzepte, die in den meisten Industriestaaten zum Leitfaden der Wirtschaftspolitik wurden. Im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 fanden keynesianische Ansätze jedoch wieder weitere Verbreitung.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 03/2016
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