Die zwei Seiten des Volkseinkommens

Die zwei Seiten des Volkseinkommens

Infografik Nr. 491505

Unter dem Aspekt der Einkommensverteilung wird unterschieden zwischen dem Arbeitnehmerentgelt einerseits und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits. In den Jahren seit der deutschen Einigung haben sich die Arbeitnehmereinkommen fast kontinuierlich aufwärtsentwickelt. Im Vergleich dazu zeigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen einen viel unruhigeren Verlauf.

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Das Volkseinkommen ist die Summe aller Einkommen, die von den in Deutschland ansässigen Unternehmen und Erwerbstätigen im Lauf eines Jahres erzielt werden, seien es Unternehmensgewinne, Kapitalerträge, Mieten oder Löhne und Gehälter. Unter dem Aspekt der Einkommensverteilung wird unterschieden zwischen dem Arbeitnehmerentgelt einerseits und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits. Das Arbeitnehmerentgelt umfasst die Bruttolöhne und -gehälter der abhängig Beschäftigten und die von den Arbeitgebern für sie abgeführten Sozialbeiträge. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen lassen sich nicht direkt ermitteln, sondern errechnen sich aus dem Volkseinkommen abzüglich des Arbeitnehmerentgelts. Die beiden Seiten des Volkseinkommens lassen sich vereinfachend den Arbeitnehmern und den Unternehmern/Kapitalgebern zuordnen, auch wenn die Trennlinie nicht so scharf zu ziehen ist. 

In den Jahren seit der deutschen Einigung haben sich die Arbeitnehmereinkommen fast kontinuierlich aufwärtsentwickelt. 2019 waren sie mehr als doppelt so hoch wie im Ausgangsjahr 1991. Nach einem ra-schen Anstieg zu Beginn der 1990er Jahre – u.a. bedingt durch kräftige Lohnerhöhungen in Ostdeutschland – geriet die Aufwärtsentwicklung in wirtschaftlichen schwierigeren Zeiten aber mehrmals ins Stocken. So in den Jahren 1996/97, in der Phase zwischen 2001 und 2005 und noch einmal im Krisenjahr 2009. Es waren dies Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation oder Rezession, in denen die Arbeitslosigkeit zunahm und Lohnerhöhungen schwer durchzusetzen waren. Ab 2006 – der Zeitpunkt fällt mit den Arbeitsmarktreformen der „Agenda 2010“ zusammen – beschleunigte sich die Aufwärtsbewegung der Arbeitnehmereinkommen, da gleichzeitig auch die Beschäftigung deutlich anstieg. 

Im Vergleich dazu zeigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen einen viel unruhigeren Verlauf. Bis 2003 entwickelten sie sich mit kleineren Rückschlägen in den Jahren 1993 und 1999/2000 noch annähernd parallel zu den Arbeitseinkommen. Dann hoben sie jedoch steil ab und lagen 2007 schon um rund 76 % über dem Ausgangsniveau des Jahres 1991. Die Finanzkrise 2008/2009 ließ die Unternehmens- und Gewinneinkommen zwar tief einbrechen, aber es folgte ein ebenso steiler Wiederanstieg. Nach einem nochmaligen Dämpfer (2012) erreichten sie 2017 ihren vorerst höchsten Stand – 96 % höher als 1991. In den Jahren 2018 und 2019 gaben sie leicht nach – eine Folge der weltwirtschaftlichen Eintrübung, zeitweiliger Rückschläge am Aktienmarkt und rückläufiger Kapitalerträge. Die Einkommensverteilung verschob sich dadurch zuletzt wieder zugunsten der Arbeitnehmer.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 03/2020
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