Meinungen über Europa

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Infografik Nr. 715400

Meinungen über Europa

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Meinungen über Europa

Als im Jahr 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft aus der Taufe gehoben wurde, schlug die Europabegeisterung in den Mitgliedstaaten hohe Wellen. Die Vision eines wirtschaftlich prosperierenden und politisch geeinten Europas zog vor allem in Deutschland große Teile der Bevölkerung in ihren Bann. Schon bald wurde die Gründungseuphorie aber mit der grauen Realität des Alltags in der Gemeinschaft konfrontiert: Das Entstehen einer neuen, bürgerfernen Bürokratie, die Kosten der europäischen Agrarpolitik und das Interessengerangel zwischen den Regierungen beeinträchtigten das positive Bild.

Seit 1973 lässt die Europäische Kommission durch regelmäßige Meinungsumfragen erkunden, wie die Bevölkerung den Stand und die Aussichten der europäischen Einigung beurteilt. Diese Umfragen sind wegen der eingeschränkten Möglichkeiten direkter Willensbekundung und Einflussnahme der Bürger auf europäischer Ebene ein wichtiger Gradmesser für das Meinungsklima in der EU. Eine der regelmäßig gestellten Fragen will wissen, ob die Befragten mit der EU ein eher positives, negatives oder neutrales Bild verbinden. Dabei wird das Meinungsbild auch von Faktoren beeinflusst, die gar nicht unmittelbar der EU zuzurechnen sind (wie z.B. der allgemeinen wirtschaftlichen Lage).

Ein besonders positives Image hatte die Gemeinschaft zuletzt 1990, nach dem Umbruch in Osteuropa, und Anfang 2007, nach der Ost- und Süderweiterung der EU. Seit 2008 prägten aber die Finanzkrise und die ab 2010 nachfolgende Schuldenkrise das Bild: Hatten im Herbst 2009 noch 48 % der Befragten eine positive Meinung zur EU, so sank dieser Anteil im Herbst 2012 mit 30 % auf einen Tiefpunkt. Anschließend schien sich die Stimmung zu verbessern, bis 2015 mehrere islamistische Terroranschläge und der massive Zustrom von Flüchtlingen bei vielen EU-Bürgern Ängste weckten, die von Populisten überall in Europa geschürt wurden. So sah auch im Herbst 2016 nur ein Drittel (34 %) der Befragten die EU positiv. 27 % hatten ein negatives Bild; 39 % äußerten sich neutral oder ausweichend („weiß nicht“).

Am niedrigsten war der Anteil der positiven Meinungen in Griechenland (16 %). Unter dem EU-Durchschnitt lagen u.a. Tschechien (26 %), Zypern (27 %) und Deutschland (29 %), wo sich die Kritik an der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik bemerkbar machte. In Großbritannien, das im Sommer 2016 mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt stimmte, standen im Frühjahr nur 31 % der Befragten positiv zur EU. In einigen osteuropäischen Beitrittsländern, die von EU-Geldern besonders profitieren, blieb dagegen ein positiveres Meinungsbild erhalten: so in Rumänien (42 %), Polen (47 %) und Bulgarien (51 %).

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 11/2016
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