Gasdrehscheibe Deutschland

Gasdrehscheibe Deutschland

Infografik Nr. 342154

Erdgas aus ganz Europa wird in Deutschland umgeschlagen. Hauptlieferant ist Russland, was auch politische Implikationen hat. Mehr im ZAHLENBILD!

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Aufgrund seiner geografischen Lage in der Mitte des Kontinents erfüllt Deutschland die Funktion einer Drehscheibe für die Erdgasversorgung in Europa. So stammt fast das gesamte ins deutsche Netz eingespeiste Erdgasaufkommen aus Importen – 2019 waren es 93 %, nämlich 1 702 von insgesamt 1 824 Terawattstunden (TWh). Die deutschen Endverbraucher entnahmen dem Erdgasnetz 948 TWh. Rund 701 TWh wurden exportiert, also deutlich mehr als ein Drittel des Gesamtaufkommens. Das unterstreicht die Rolle Deutschlands als Verteilerstation für Erdgas.

Unter den Herkunftsländern der deutschen Erdgaseinfuhren nehmen Russland und die GUS mit Abstand die Führungsrolle ein: 2019 kamen mehr als zwei Drittel (67 %) des importierten Erdgases von dort. Weit dahinter folgten Norwegen mit einem Anteil von 18 % und die Niederlande mit 14 %. Ein kleiner Teil der Einfuhren stammte aus Belgien und Dänemark (0,7 %). Die Rolle Russlands als Hauptlieferant wurde zuletzt im Zuge der Krim-Krise 2014 zum Gegenstand sicherheits- und energiepolitischer Kritik: Mit derartigen Abhängigkeiten machten sich Deutschland und Europa nicht nur erpressbar, sondern sie verhinderten auch wirksame Sanktionen gegen Russlands Energiesektor, denn man sei ja selbst auf das russische Gas angewiesen. Allerdings sind die Erdgaseinnahmen für Russland von elementarer Bedeutung, weshalb ein umfassender Lieferstopp unwahrscheinlich ist. Heftig umstritten ist darüber hinaus das deutschrussische Projekt der Ostseepipeline Nord Stream II. Kritiker wie die USA oder Frankreich wenden ein, dass damit osteuropäische Transitländer übergangen würden, was sie verwundbarer für Erpressungen seitens Russlands mache: Moskau könnte dann Gaslieferungen an die Ukraine oder Polen zurückhalten, ohne seine Gasexporte nach Deutschland und von dort weiter nach Resteuropa zu gefährden.

Die Exporte aus dem deutschen Erdgasnetz gingen 2019 zu gut der Hälfte (52 %) nach Tschechien. Ein Fünftel (20 %) floss in die Niederlande, ein Zehntel (11 %) in die Schweiz und jeweils rund 7 % nach Österreich und Frankreich. Diese Direktabnehmer leiten das Erdgas dann teilweise an andere Länder weiter.

Die Bedeutung der inländischen Förderung in Deutschland schwindet seit Jahren, weil die großen Lagerstätten zuneige gehen und keine neuen mehr entdeckt wurden – 2019 trug die hiesige Förderung nur noch 3 % zum Erdgasaufkommen bei. Weitere 3 % entfielen auf Speichergas, das den über Deutschland verteilten unterirdischen Speicheranlagen entnommen wurde. Eingespeist wurden außerdem geringe Mengen (0,5 %) von Biogas, das zuvor auf Erdgasqualität aufbereitet wurde.

Ausgabe: 04/2021
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
s/w-Version: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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