Unter der Armutsgrenze

Unter der Armutsgrenze

Infografik Nr. 286335

Kaum ein anderes wissenschaftliches Werk war so einflussreich wie Adam Smiths "Wohlstand der Nationen" von 1776. Bis heute beeinflussen seine Gedanken die Diskussion über das beste Wirtschaftssystem und die Rolle des Staates. Das ZAHLENBILD fasst die wichtigsten Punkte des Smith'schen Werks in Text und Schaubild zusammen. Laden Sie es gleich herunter!

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Vor dem Hintergrund der wechselnden Krisen und des wachsenden internationalen Konkurrenzdrucks, denen Wirtschaft und Gesellschaft ausgesetzt sind, wächst in Deutschland die Gefahr der sozialen Ausgrenzung für jene Teile der Gesellschaft, die den Herausforderungen nicht (mehr) gerecht werden. Ereignisse wie Arbeitslosigkeit oder Scheidung, prekäre Beschäftigung oder familiäre Überlastung können genügen, um Menschen und ihre Haushalte aus der normalen Bahn zu werfen und in Armut absinken zu lassen.

Armut wird in entwickelten Gesellschaften meist als relative Größe aufgefasst und in Bezug zum mittleren Lebensstandard definiert. In dem Indikatorensystem, das die EU zur vergleichenden Beobachtung der sozialen Lage aufgestellt hat, gelten Personen, die weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung haben, als armutsgefährdet. Gemessen wird das anhand des Haushalts-Nettoeinkommens, das bedarfsgewichtet auf die einzelnen Haushaltsmitglieder umgelegt wird. Die Gewichtung berücksichtigt, dass größere Haushalte pro Kopf günstiger wirtschaften als kleine. Für die erste erwachsende Person eines Haushalts wird daher ein Bedarf von 1 angesetzt, jeder weitere Erwachsene geht mit dem Wert 0,5, jedes Kind unter 14 Jahren mit dem Wert 0,3 in die Berechnungen ein. Der Schwellenwert der Armutsgefährdung einer Drei-Personen-Kleinfamilie (Eltern + Kind unter 14), der 2025 bei 2 600 € im Monat lag, entsprach somit dem einer alleinlebenden Person mit 1 445 €.

Legt man diese Methode zugrunde, waren in Deutschland 2025 rund 13,3 Mio Menschen, d.h. 16 % der Bevölkerung, als armutsgefährdet zu betrachten. Ohne die Hilfen durch Sozialtransfers wären es sogar 24 % gewesen. Da Arbeit für die meisten Menschen die Hauptquelle ihres Einkommens ist, variierte das Armutsrisiko mit der Stellung im Erwerbsleben. Nur knapp 7 % der Erwerbstätigen, aber zwei Drittel der Arbeitslosen waren arm oder von Armut bedroht. Von den Ruheständlern befanden sich knapp 19 % in einer derart prekären Lage.

Die Einkommenslage unterscheidet sich auch nach der Haushaltssituation. Selbst unter Berücksichtigung von Sozialleistungen war 2025 noch weit mehr als ein Viertel der Alleinerziehenden armutsgefährdet. Hoch war auch das Armutsrisiko alleinlebender Männer und Frauen (30 %). Paarhaushalte lebten dagegen seltener in Armut; Paare mit Kindern waren sogar unterdurchschnittlich davon betroffen (14 %). Die oft gehörte These, dass Kinder Armut bedeuten, kann also nicht ohne Weiteres bejaht werden.

Ausgabe: 07/2026
Produktformat: eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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