Schattenwirtschaft - Schwarzarbeit
Infografik Nr. 499225
Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft hinterlassen kaum statistisch verwertbare Spuren. Das liegt in der Natur der Sache. Aber es gibt Schätzmethoden, um ihre Größenordnung zu erfassen. Das ZAHLENBILD präsentiert das Ergebnis solcher Schätzungen ab dem Jahr 2016. Doch wie realistisch sind sie?
Zur Finanzierung der Staatsaufgaben und der sozialen Sicherungssysteme müssen die Bürger einen Teil ihres Einkommens als Steuern oder Sozialabgaben an die öffentlichen Kassen abführen. Manch einer – ob Arbeitnehmer, Unternehmer oder Auftraggeber – erliegt deshalb der Versuchung, den Fiskus und die Sozialkassen leer ausgehen zu lassen und ihnen die eigentlich fälligen Abgaben vorzuenthalten. Das Phänomen der Abgabenvermeidung ist wohl in allen Staaten zu beobachten. Es kann sich so weit ausdehnen, dass neben der „offiziellen“ Volkswirtschaft eine allgemein geduldete Schattenwirtschaft existiert, die zwar durchaus Werte schafft, zugleich aber das Gemeinwesen in seinen Leistungen und Funktionen beeinträchtigt.
Das Ausmaß der Schattenwirtschaft zu erfassen, ist allerdings nicht einfach. Schon ihre Definition wirft Schwierigkeiten auf. In einer engeren Abgrenzung umfasst sie wirtschaftliche Aktivitäten in Erwerbsabsicht, die an sich legal sind, jedoch illegal ausgeführt und am Fiskus vorbei entlohnt werden, insbesondere in der klassischen Form der Schwarzarbeit. In einem umfassenderen Verständnis können sie außerdem kriminelle Tätigkeiten (wie die Produktion von Rauschgift) sowie Erscheinungsformen der „informellen Ökonomie“ (wie die sogenannte Nachbarschaftshilfe) einbeziehen.
Es liegt in der Natur der Sache, dass es über die Schattenwirtschaft kaum hieb- und stichfeste Informationen gibt. Die „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ des Zolls kann durch ihre Ermittlungen nur einen geringen Teil des finanziellen Schadens aufdecken. Will man den Umfang der Schattenwirtschaft abschätzen, muss man sich ihr auf Umwegen annähern. Das kann mithilfe von Umfragen geschehen, die zum Beispiel wissen wollen, ob im engeren Umfeld Personen bekannt sind, die Schwarzarbeit leisten.
Andere, modellgestützte Schätzverfahren auf gesamtwirtschaftlicher Ebene berücksichtigen ein ganzes Bündel von Ursachen und Indikatoren, um daraus auf die Ab- oder Zunahme der Schattenwirtschaft zu schließen. Eine Modellschätzung des Linzer Ökonomen Friedrich Schneider und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen veranschlagt den Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland für das Jahr 2026 auf 538 Mrd € – 11,4 % des Bruttoinlandsprodukts. Andere Forscher ziehen solche Zahlen als weit überhöht in Zweifel. Schneider nimmt an, dass Mindestlöhne, steigende Sozialbeiträge und die „kalte Progression“ bei der Einkommensteuer mehr Schwarzarbeit hervorbringen, eine lebhafte Konjunktur mit hoher Beschäftigung sie aber zurückgehen lässt.
| Ausgabe: | 06/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |