Die Lehrstellen-Bilanz

Die Lehrstellen-Bilanz

Infografik Nr. 264335

Die Besonderheit der dualen Berufsausbildung liegt in ihrer unmittelbaren Verbindung zur Arbeitswelt, die eine praxisnahe, bedarfsgerechte Ausbildung der Nachwuchskräfte erlaubt. Wegen der engen Verzahnung zwischen Ausbildung und Betrieb ist das Ausbildungsangebot aber auch deutlichen konjunkturellen Schwankungen unterworfen.

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Die Besonderheit der dualen Berufsausbildung liegt in ihrer unmittelbaren Verbindung zur Arbeitswelt, die eine praxisnahe, bedarfsgerechte Ausbildung der Nachwuchskräfte erlaubt. Wegen der engen Verzahnung zwischen Ausbildung und Betrieb ist das Ausbildungsangebot aber auch deutlichen konjunkturellen Schwankungen unterworfen, denn viele Unternehmen passen ihre Ausbildungskapazitäten dem Gang der Geschäfte an. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen hängt dagegen in erster Linie von den demographischen Gegebenheiten – das heißt von der Jahrgangsstärke der Schulabgänger – ab und schwankt zudem mit den Bildungsentscheidungen der jungen Leute (weiterer Schulbesuch? Lehre oder Studium?). Darüber hinaus ist die Lehrstellensituation in Deutschland durch große regionale Unterschiede gekennzeichnet.

Nach Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs zeigte sich der Ausbildungsmarkt 2018 im Ganzen so ausgeglichen wie lange nicht. Angesichts zunehmender Personalknappheit in Produktions- und Handwerksberufen erreichte das Lehrstellenangebot der Betriebe (574 200)den höchsten Stand seit vielen Jahren. Bezieht man die außerbetrieblichen Ausbildungsstätten ein, standen insgesamt rund 589 000 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Auf der anderen Seite stieg die Nachfrage nach einem deutlichen Rückgang während des zurückliegenden Jahrzehnts wieder spürbar an: 610 000 Jugendliche und junge Erwachsene suchten 2018 nach einem Ausbildungsplatz. Auffällig ist jedoch, dass allein die Nachfrage durch junge Männer anzog (auf 384 900), während das Interesse junger Frauen an einer dualen Ausbildung weiter nachließ und ihre Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz auf den bisher tiefsten Stand (225 100) abfiel. Aufs Ganze gesehen, standen je 100 Bewerbern 96,6 Lehrstellenangebote gegenüber. Die Chancen, eine Lehrstelle zu finden, waren rein rechnerisch somit besser als im gesamten Jahrzehnt zuvor.

Tatsächlich wurden 2018 bis zum 30.9. aber nur 531 400 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Fast 57 700 Ausbildungsplätze (10 % des betrieblichen Angebots) blieben unbesetzt. Zugleich waren 78 600 Bewerber noch auf der Suche nach einer Lehrstelle. Die „Passungsprobleme“ zwischen Angebot und Nachfrage erreichten damit ein neues Ausmaß. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass heute viele Ausbildungsplatzbewerber über einen mittleren Abschluss oder eine Studienberechtigung verfügen und Berufe meiden, die traditionell vor allem Hauptschüler ansprachen, während die von ihnen favorisierten Ausbildungsberufe oft überlaufen sind. Regional fehlten Lehrstellen u.a. in Berlin, Hamburg, im Ruhrgebiet, in Nordhessen und Niedersachsen; mehr Plätze als Bewerber gab es dagegen in großen Teilen Bayerns.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 05/2019
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