Warum Teilzeitarbeit?
Infografik Nr. 247212
Teilzeitarbeit ist in die politische Diskussion geraten. Das Wort "Lifestyle-Teilzeit" machte Schlagzeilen. Aber gibt es die überhaupt? Welche Gründe nennen die Teilzeitbeschäftigten selbst für ihre verkürzte Arbeitszeit? Hier finden Sie die Fakten zu einem aktuellen Thema!
Teilzeitbeschäftigung ist unversehens zum Gegenstand einer kontroversen politischen Debatte geworden. Vor Jahren galt sie noch als ideal geeignet, um Frauen den Eintritt oder die Rückkehr ins Erwerbsleben zu erleichtern. Heute sehen manche Kritiker in ihr einen Beleg für mangelnde Leistungsbereitschaft – zum Schaden der ganzen Volkswirtschaft, die wegen der demographischen Alterung auf eine bessere Ausschöpfung des Arbeitspotenzials angewiesen ist.
Wie ist die Faktenlage? Nach Zahlen des Mikrozensus gab es in Deutschland 2024 etwa 38,9 Mio abhängig Beschäftigte, davon 20,2 Mio Männer und 18,8 Mio Frauen. Von den Männern arbeiteten knapp 2,8 Mio (14%) in Teilzeit, von den Frauen 9,4 Mio, also rund die Hälfte (50%). Insgesamt gingen, 122 Mio (31%) der abhängig Beschäftigten einer Teilzeitarbeit nach. Als Teilzeit gilt dabei jede Arbeitszeit, die von der normalen Arbeitszeit nach unten abweicht; die Zuordnung richtete sich nach der subjektiven Einschätzung der Befragten.
Im Rahmen des Mikrozensus 2024 wurde auch nach den Gründen für die Ausübung von Teilzeitarbeit gefragt. Ein hoher Prozentsatz der Antworten (27,7%) entfiel dabei auf den eigenen Wunsch nach einer Teilzeittätigkeit. In der öffentlichen Debatte wurde Teilzeitarbeit aus diesem nicht weiter begründeten Motiv als „Lifestyle-Teilzeit“ kritisiert, unter anderem durch den Bundeskanzler. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung weist jedoch darauf hin, dass die Antwort „Ich möchte Teilzeit arbeiten“ zur Hälfte von älteren Befragten (ab 55 Jahren) gegeben wurde. Bei ihnen darf man vermuten, dass sie das Pensum einer Vollzeitstelle nicht (mehr) bewältigen können oder wollen und deshalb kürzertreten.
Andere Fragen bezogen sich auf konkretere Hauptgründe für Teilzeitarbeit. Dabei traten deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen zutage. So nannten 27,0% der Frauen, aber nur 5,9% der Männer die Betreuung von Kindern als Hauptgrund für ihre Teilzeittätigkeit. Weitere 16,2% der Frauen gaben die Betreuung von behinderten oder pflegebedürftigen Menschen als Teilzeitgrund an. Ein großer Teil der Frauen vor allem der Altersgruppen zwischen 25 und 65 Jahren ist also zusätzlich in familiäre „Care- Arbeit“ eingespannt und reduziert deshalb die berufliche Arbeitszeit. Eine parallel zur Teilzeitarbeit betriebene Aus- und Weiterbildung fällt bei den Männern stark ins Gewicht; sie ist auch für Frauen wichtig, tritt bei ihnen neben den anderen Teilzeitgründen aber in den Hintergrund. Teilzeitarbeit bietet in diesem Fall die Möglichkeit sich zu qualifizieren, ohne die finanzielle Unabhängigkeit aufgeben zu müssen.
| Ausgabe: | 03/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |