Wohnungsbau in Deutschland

Wohnungsbau in Deutschland

Infografik Nr. 378510

Die Beschaffung von Wohnraum war in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf Jahrzehnte hinaus eine der dringlichsten sozialpolitischen Aufgaben. Im früheren Bundesgebiet, wo 1961 rund 30 % mehr Menschen lebten als 1939, blieb zur Verwaltung des Mangels bis in die sechziger Jahre die Wohnungszwangswirtschaft bestehen.

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Die Beschaffung von Wohnraum war in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf Jahrzehnte hinaus eine der dringlichsten sozialpolitischen Aufgaben. Im früheren Bundesgebiet, wo 1961 rund 30 % mehr Menschen lebten als 1939, blieb zur Verwaltung des Mangels bis in die sechziger Jahre die Wohnungszwangswirtschaft bestehen. Mit der Förderung des sozialen Wohnungsbaus übernahm der Staat daneben eine Schlüsselrolle bei der Deckung des dringendsten Wohnungsbedarfs.

Zwischen 1949 und 1980 wurden in der Bundesrepublik 16,5 Mio Wohnungen fertiggestellt. Als Mitte der 1980er Jahre der Wohnungsfehlbedarf gedeckt schien, sank die Bauproduktion deutlich ab. Schon bald mehrten sich aber die Anzeichen eines neuen Wohnungsmangels, die sich Anfang der 1990er Jahre mit der Zuwanderung aus Ostdeutschland und Osteuropa noch verdichteten. Steigende Mieten sorgten dafür, dass wieder mehr in den Wohnungsbau investiert wurde. Seinen Höhepunkt erreichte der neue Bauboom in Westdeutschland 1994/95 mit jeweils rund 500000 fertiggestellten Wohnungen.

Für die ehemalige DDR blieb das Wohnungsproblem bis zuletzt ungelöst. Ein Wohnungsmarkt existierte nicht: Wohnraum unterlag als Mangelobjekt der staatlichen Verteilung. Nachdem die Wohnungszählung von 1971 erschreckende Mängel aufgezeigt hatte, wurde ein Bau- und Sanierungsprogramm beschlossen, demzufolge bis 1990 rund 2,8 bis 3 Mio Wohnungen neu gebaut oder modernisiert werden sollten. Ein Großteil dieser Wohnungen entstand in den Plattenbauten neuer Großsiedlungen, während der Altbaubestand zusehends verfiel. Nach der „Wende“ kam der Wohnungsbau im Osten fast zum Stillstand, ehe er um die Mitte der 1990er Jahre eine kurzzeitige Blüte erfuhr. In den von Abwanderung betroffenen Regionen häuften sich aber die Probleme des Wohnungsleerstands; um hier Entlastung zu schaffen, wurden im Rahmen des „Stadtumbaus Ost“ ab 2002 rund 350000 Wohnungen abgerissen.

Ende 2017 bestanden in Deutschland 42,0 Mio Wohnungen; damit kamen 507 Wohnungen auf 1000 Einwohner; im Westen waren es 496, im Osten (mit Berlin) 555 Wohnungen je 1000 Einwohner. Nach langer Rezession nahm der Wohnungsbau ab 2010 zwar wieder zu und erreichte 2017 mit rund 285000 fertiggestellten Wohnungen den höchsten Stand seit über fünfzehn Jahren. Doch nach einer Studie des Pestel-Instituts müssten bis 2020 rund 400000 Wohnungen jährlich errichtet werden, um den Bedarf zu decken. Vor allem in Ballungsgebieten mangele es an Wohnungen – nicht nur für junge Leute und Senioren, sondern auch für die wachsende Zahl von Flüchtlingen und von Zuwanderern aus der EU.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 08/2018
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