Realverzinsung von Spareinlagen
Infografik Nr. 468325
Wer sein Geld auf Sparkonten parkt, muss mit schleichenden Einbußen aufgrund der Inflation rechnen. Wie aus Zahlen der Bundesbank hervorgeht, erbrachten neue Spareinlagen in den letzten Jahren fast durchweg Verluste – besonders dramatisch in den Jahren 2022 und 2023 mit ihren hohen Inflationsraten! Machen Sie sich selbst ein Bild davon!
Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland belief sich Ende des dritten Quartals 2025 auf rund 9390 Milliarden Euro. Einen beträchtlichen Teil davon (2314 Mrd €) verwahrten sie als Bargeld oder hatten sie jederzeit verfügbar auf Girokonten geparkt. 639 Mrd € entfielen auf Termineinlagen, weitere 520 Mrd € auf Spareinlagen oder Sparbriefe. Damit warf mehr als ein Drittel (37%) des Geldvermögens keine oder nur spärliche Erträge ab, zumal die Banken ihre Zinssätze für kurzfristige Anlagen nach dem Ende der Niedrigzinsphase nur zögerlich wieder anhoben. Die vermögensärmere Hälfte der Haushalte legt besonderen Wert auf die Verfügbarkeit und Sicherheit ihres Ersparten und ist dafür bereit, auf höhere Renditen zu verzichten. Diese Haushalte nehmen dafür allerdings in Kauf, dass ihr Geldvermögen mit der Zeit immer mehr an Wert verliert. Das ist dann der Fall, wenn der für die Geldanlagen gewährte Nominalzins nicht ausreicht, um den inflationsbedingten Kaufkraftverlust auszugleichen, wenn die Realverzinsung also negativ ausfällt.
Negative Realzinsen sind nicht nur zu befürchten, wenn das Zinsniveau niedrig ist. Sie treten auch auf, wenn die Nominalzinsen zwar hoch sind, aber durch noch höhere Inflationsraten aufgezehrt werden. In den letzten Jahrzehnten kam es immer wieder zu schleichenden Vermögenseinbußen aufgrund negativer Realzinsen. So vor allem in den 1970er und frühen 1980er Jahren, in den ersten Jahren nach der deutschen Einigung sowie im Gefolge der Finanz- und Schuldenkrise ab 2010. In der Phase der Niedrig- oder gar Nullzinsen, die von der Europäischen Zentralbank von 2008 bis Anfang 2022 durchgehalten wurde, um die wirtschaftliche Erholung im Euroraum zu unterstützen, unterlagen nicht nur Spareinlagen einer negativen Realverzinsung. Wegen des Zinsverfalls war auch mit längerfristigen Anlagen (z.B. Festgeldern) trotz der niedrigen Inflationsraten kaum noch ein realer Wertzuwachs zu erzielen.
Umso dramatischer die Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine ab Februar 2022, der über die schockartig steigenden Energiekosten eine massive Inflationswelle auslöste. Die monatlichen Preissteigerungsraten erreichten im Oktober und November 2022 mit jeweils 8,8% gegenüber dem Vorjahr ihren Gipfel. Demgegenüber sank die Realverzinsung neuer Spareinlagen im dritten Quartal 2022 mit nahezu minus 8% auf einen Tiefpunkt. Nach Berechnungen des Marburger Ökonomen Oscar Stolper entstand den Anlegern in Deutschland 2022 allein bei Sicht-, Termin- und Spareinlagen ein Kaufkraftverlust von rund 190 Mrd Euro. Anlagen in Versicherungen büßten weitere 134 Mrd Euro ein.
| Ausgabe: | 04/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |