Rückgang der Bankstellen

Rückgang der Bankstellen

Infografik Nr. 457107

Gegenwärtig durchläuft das Bankwesen einen Prozess der ständigen Restrukturierung und Neupositionierung, in dem sich die Zahl der selbstständigen Kreditinstitute und ihrer Filialen fortwährend verringert. Die Ausdünnung des Filialnetzes nahm ab 2015 größeres Tempo auf. Für diese Entwicklung lassen sich mehrere Gründe ausmachen: • Konkurrenzdruck und niedrige Ertragsmargen zwingen die Banken zu Kosteneinsparungen. • Viele Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte heute per Online-Banking. • Die Reduzierung der Bankstellen ist zum Teil auch auf Bereinigungs- und Konzentrationsprozesse in der Finanzindustrie zurückzuführen.

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Anfang der 1990er Jahre bauten die Banken ihr Zweigstellennetz in Deutschland noch aus. Nicht... mehr
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Anfang der 1990er Jahre bauten die Banken ihr Zweigstellennetz in Deutschland noch aus. Nicht nur im Osten, wo ein großer Nachholbedarf an Bankdienstleistungen bestand und neue Märkte lockten, sondern zum Teil auch im Westen, wo es darum ging, durch Kundennähe zusätzliche Marktanteile zu erobern. Als 1995 die Deutsche Postbank privatisiert wurde und ihren Platz in der Bankenlandschaft einnahm, kletterte die Zahl der Bankstellen (d.h. der Kreditinstitute und ihrer Zweigstellen) auf rund 71 700. Seitdem durchläuft das Bankwesen aber einen Prozess der ständigen Restrukturierung und Neupositionierung, in dem sich die Zahl der selbstständigen Kreditinstitute und ihrer Filialen fortwährend verringert.

Die Ausdünnung des Filialnetzes ging zwischen 1995 und 2006 am schnellsten voran und nahm dann ab 2015 wieder größeres Tempo auf. Zum Ende des Jahres 2018 verzeichnete die Statistik der Deutschen Bundesbank noch 1 783 Bankinstitute und 27 887 Zweigstellen, insgesamt also 29 670 Bankstellen. Allein seit dem Jahr 2000 wurde damit die Hälfte der damals rund 59 750 Bankstellen geschlossen. Die Bankstellendichte verringerte sich in diesem Zeitraum entsprechend. Versorgte eine Haupt- oder Zweigstelle im Jahr 2000 noch durchschnittlich 1350 Einwohner, so waren es 2018 mit 2800 schon mehr als doppelt so viele.

Für diese Entwicklung lassen sich mehrere Gründe ausmachen: • Konkurrenzdruck und niedrige Ertragsmargen zwingen die Banken zu Kosteneinsparungen. In der Folge werden Zweigstellen aufgegeben und die Beratungsangebote auf weniger Standorte konzentriert. Allerdings verschlechtert sich damit die Erreichbarkeit der verbliebenen Filialen. Vor allem in ländlichen Gebieten wirkt sich dies nachteilig aus. • Viele Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte heute per Online-Banking, so dass sie ihre Bank seltener persönlich aufsuchen müssen. Sie ziehen Bargeld aus dem Automaten oder nutzen elektronische Zahlungsformen. Dies kann Ursache, aber zugleich auch Folge des reduzierten Zweigstellenangebots sein. Und: Neue Wettbewerber der Finanzbranche drängen online auf den Markt und jagen den etablierten Banken Kunden ab. • Die Reduzierung der Bankstellen ist zum Teil auch auf Bereinigungs- und Konzentrationsprozesse in der Finanzindustrie zurückzuführen. So führte die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank 2009 zur Schließung zahlreicher „doppelter“ Zweigstellen. Großbanken wie die Deutsche Bank strichen ihr Filialnetz ebenso zusammen wie der Sparkassensektor und die Genossenschaftsbanken.

Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Kreditinstitute und ihrer Zweigstellen in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch dramatisch schrumpft.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2019
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