Informationsasymmetrie - Prinzipal-Agent-Theorie

Informationsasymmetrie - Prinzipal-Agent-Theorie

Wie wirkt es sich aus, welche Effizienzverluste entstehen, wenn zwei Geschäftspartner mit unterschiedlichem Informationsstand zusammenkommen. Die Prinzipal-Agent-Theorie beschäftigt sich mit diesem Problem. Und sie bietet auch Lösungsansätze an. Wirtschaftliche Grundbegriffe, kompakt erläutert zur Unterrichtsbegleitung und zur Wiederholung.

 

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Eine Situation, in der zwei Marktteilnehmer oder Vertragspartner nicht über die gleichen Informationen verfügen, wird in der Wirtschaftswissenschaft als Informationsasymmetrie bezeichnet. Sie kann dazu führen, dass beide Seiten einander zuwiderhandeln und ihre Beziehung nicht das optimale Ergebnis hervorbringt. Die Prinzipal-Agent-Theorie befasst sich mit diesem Problem im Hinblick auf die Beziehung zwischen einem Auftraggeber (Prinzipal) und seinem Beauftragten (Agent). In einer derartigen Beziehung überträgt der Prinzipal dem Agenten eine Aufgabe, die er selbst nicht erledigen kann oder will, und überlässt diesem die Entscheidung, wie er sie umsetzt. Er erwartet die bestmögliche Leistung, verfügt aber nicht über die gleichen Informationen wie der Agent.

Am Beispiel eines Auftraggebers, der sein Auto zur Reparatur in die Werkstatt bringt, sei diese asymmetrische Informationsverteilung erläutert. Verschweigt der Werkstattinhaber dem Auftraggeber, dass ihm die Terminplanung meist über den Kopf wächst und mit einer pünktlichen Erledigung der Reparatur deshalb kaum zu rechnen ist, liegen ● versteckte Eigenschaften (hidden characteristics) vor. Von einer ● verborgenen Absicht (hidden intention) ist zu sprechen, wenn er es darauf anlegt, die Abhängigkeit des Auftraggebers auszunutzen und später Extrakosten zu berechnen. Bei einer ● versteckten Handlung (hidden action) bleibt dem Auftraggeber verborgen, ob der Auftragnehmer alle notwendigen Arbeitsschritte ausführt. Aber selbst wenn er die Arbeiten beobachten kann, wird es ihm am Ende schwerfallen, ● die Qualität der Reparatur zu beurteilen (hidden information). Die Konsequenz dieser Informationsasymmetrien ist,dass der Agent seinen Informationsvorsprung zum eigenen Vorteil (weniger Stress, höhere Einnahmen) nutzen kann, während die Interessen des Prinzipals vernachlässigt werden. Ein solches Verhalten – nach Vertragsabschluss – wird mit dem Begriff Moral Hazard (moralisches Risiko) bezeichnet.

Die Prinzipal-Agent-Theorie liefert allerdings auch Lösungsansätze, mit denen die Folgen der Informationsasymmetrie verringert oder vermieden werden können. Und zwar vor allem durch vorab vereinbarte, gezielte Anreize – entweder durch erfolgsabhängige Belohnung des Agenten oder aber durch Sanktionen, Rückgaberechte, Ersatzansprüche usw. für den Fall, dass er gegen die Interessen des Prinzipalshandelt. Durch Screening kann der Prinzipal auch rechtzeitig Informationen über den Agenten sammeln (z.B. Bonitätsauskünfte, Kundenbewertungen). Und der Agent kann mittels Signalling seinerseits die Qualität seiner Aufgabenerledigung herausstellen (z.B. durch Zertifikate, Garantien)

Ausgabe: 02/2026
Produktformat: eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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