Die deutsche Zahlungsbilanz

Die deutsche Zahlungsbilanz

Infografik Nr. 394016

Dem Leistungsbilanzüberschuss stand 2019 ein Netto-Kapitalexport von 206 Mrd € gegenüber, der damit viel geringer ausfiel als in den Vorjahren. Dies war vor allem darauf zurückzuführen, dass ausländische Anleger per saldo wieder deutsche Wertpapiere ankauften. Bei den Direktinvestitionen flossen – auf insgesamt niedrigerem Niveau – wesentlich mehr Mittel ins Ausland ab als umgekehrt in Deutschland angelegt wurden.

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Die Zahlungsbilanz einer Volkswirtschaft registriert alle wirtschaftlichen Transaktionen (d.h. den Austausch von Gütern, Dienstleistungen und finanziellen Ansprüchen), die innerhalb eines Jahres zwischen In- und Ausland stattfinden. Grundsätzlich ist zwischen dem Leistungs- und dem Zahlungsverkehr mit dem Ausland zu unterscheiden. Die Leistungsbilanz als Teil der Zahlungsbilanz erfasst alle Bezüge und Lieferungen im grenzüberschreitenden Warenhandel und Dienstleistungsverkehr, die über die Grenzen zu- oder abfließenden Erwerbs- und Vermögenseinkommen (Gewinne, Löhne, Zinsen usw.) und die laufenden Übertragungen („einseitigen“ Leistungen) zwischen In- und Ausland (z. B. Beiträge an die EU oder an internationale Organisationen). Als besonderer Posten neben der Leistungsbilanz werden die „einmaligen“ Vermögensübertragungen wie Schuldenerlasse, Erbschaften oder bestimmte Investitionszuschüsse verbucht.

Der Kapitalverkehr mit dem Ausland – die Aufnahme oder Gewährung von Krediten, die Wertpapiergeschäfte und der Erwerb von Eigentumsrechten an Unternehmen und Grundstücken – schlägt sich in der Kapitalbilanz nieder. Finanziellen Charakter hat auch die Zu- oder Abnahme der Währungsreserven im Bestand der Bundesbank. Definitionsgemäß halten sich beide Seiten der Zahlungsbilanz – die Ergebnisse des Leistungs- und des Kapitalverkehrs – die Waage. In der Praxis bestehen aber stets einige statistische Differenzen, die sich im sogenannten Restposten der Zahlungsbilanz niederschlagen.

In den 1980er Jahren hatte die Bundesrepublik regelmäßig hohe Leistungsbilanzüberschüsse erzielt. Mit der deutschen Einigung veränderte sich ihre außenwirtschaftliche Position fast auf einen Schlag, so dass die Leistungsbilanz 1991 tief ins Minus rutschte. Dieser Umschwung war letztlich damit zu erklären, dass die deutsche Volkswirtschaft in erheblichem Umfang auf ausländische Ressourcen zurückgreifen musste, um den Aufbau in Ostdeutschland zu bewältigen. Erst 2002 verzeichnete die Leistungsbilanz wieder ein Plus, das sich in den folgenden Jahren rasch ausweitete. 2007 erreichte der Leistungsbilanzüberschuss einen Wert von 170 Mrd €, ehe er sich 2009 in der globalen Wirtschaftskrise auf 141 Mrd € verringerte. Dafür ausschlaggebend war der scharfe Rückgang der Exporte. Diese nahmen in den Folgejahren aber wieder kräftig zu. 2016/17 kletterte der Exportüberschuss auf jeweils mehr als 250 Mrd €, der Leistungsbilanzüberschuss erreichte 2016 mit 267 Mrd € seinen bisher höchsten Stand. Danach schrumpfte das Plus in der Leistungsbilanz zwar, blieb trotz der Abschwächung im Außenhandel aber auch 2019 mit rund 244 Mrd € und 7,3 % des BIP deutlich über dem Schwellenwert, den die Europäische Kommission zur Vermeidung von Ungleichgewichten in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen vorgibt (6 %).

Dem Leistungsbilanzüberschuss stand 2019 ein Netto-Kapitalexport von 206 Mrd € gegenüber, der damit viel geringer ausfiel als in den Vorjahren. Dies war vor allem darauf zurückzuführen, dass ausländische Anleger per saldo wieder deutsche Wertpapiere ankauften. Bei den Direktinvestitionen flossen – auf insgesamt niedrigerem Niveau – wesentlich mehr Mittel ins Ausland ab als umgekehrt in Deutschland angelegt wurden.

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