Der Weg zum Wohlstand

Der Weg zum Wohlstand

Infografik Nr. 287090

Die Dynamik der Aufbruch- und Aufbaujahre ließ sich schon in den 1960er Jahren nicht mehr voll aufrechterhalten. Spätestens seit den 1970er Jahren war die Wirtschaft der Bundesrepublik den normalen Schwankungen der Konjunktur und den Notwendigkeiten eines permanenten Strukturwandels unterworfen. Doch obwohl die Wachstumsraten des Pro-Kopf-Einkommens von Dekade zu Dekade flacher ausfielen, konnten die Bundesbürger ihren Wohlstand kontinuierlich steigern.

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Bundesrepublik Deutschland 1950: Das Kriegsende lag gerade erst fünf Jahre zurück. Zwei Jahre waren seit der Währungsreform vergangen, ein Jahr seit der Staatsgründung. Noch war nicht abzusehen, ob und wann dieser westdeutsche Teilstaat seine wirtschaftlichen, sozialen und politischen Existenzprobleme in den Griff bekommen würde. So mussten nahezu 8 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge (bei einer Gesamtbevölkerung von rund 50 Millionen) in die sich neu formierende Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung integriert werden. Das Heer der Arbeitslosen war im Winter 1949/50 auf über 2 Millionen angewachsen, während die Industrieproduktion, die seit 1948 kräftig zugelegt hatte, zeitweilig wieder ins Stocken geriet.

Die junge Bundesrepublik befand sich in einer prekären Situation. Aus späterer Sicht erscheint das gleiche Jahr 1950 aber als Ausgangspunkt einer Erfolgsgeschichte, die den Bundesbürgern innerhalb eines Jahrzehnts zu Vollbeschäftigung und Wohlstand verhalf. Als „Wirtschaftswunder“ ist vor allem die Phase beschleunigten Wachstums zwischen 1950 und 1958 in das Bewusstsein der Zeitgenossen eingegangen. Bis Ende der 1950er Jahre stieg die Zahl der Erwerbstätigen von 20 auf nahezu 25 Millionen. In diesen Jahren wurde nicht nur der Grundstein für neue große Vermögen gelegt, auch der „kleine Mann“ sah sich für seine Arbeit belohnt. Das verfügbare Jahreseinkommen der Haushalte, das sich 1950 auf umgerechnet 707 Euro pro Kopf belief, nahm bis 1960 real, d.h. nach Ausschaltung des Geldwertverlustes, um durchschnittlich 7 % im Jahr zu. Damit verdoppelte sich die Kaufkraft der Einkommen innerhalb eines Jahrzehnts.

Die Dynamik der Aufbruch- und Aufbaujahre ließ sich schon in den 1960er Jahren nicht mehr voll aufrechterhalten. Spätestens seit den 1970er Jahren war die Wirtschaft der Bundesrepublik den normalen Schwankungen der Konjunktur und den Notwendigkeiten eines permanenten Strukturwandels unterworfen. Doch obwohl die Wachstumsraten des Pro-Kopf-Einkommens von Dekade zu Dekade flacher ausfielen, konnten die Bundesbürger ihren Wohlstand kontinuierlich steigern. 1990 verfügten sie über ein Durchschnittseinkommen, dessen Kaufkraft mehr als fünfeinhalbmal so groß war wie 1950.

Mit der deutschen Einigung ging das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen zunächst deutlich zurück, da die niedrigen Einkommen in Ostdeutschland den Bundesdurchschnitt drückten. Von dieser Basis aus nahm das reale Einkommen weiter zu, wenn auch in kleineren Schritten. Erst 2010 erreichte es im gesamtdeutschen Durchschnitt den Stand von 1990 für das alte Bundesgebiet. 2017 lag das Wohlstandsniveau für die Gesamtheit der deutschen Haushalte aber bereits sechsmal so hoch wie in Westdeutschland 1950.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 09/2018
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