Die zwei Seiten des Volkseinkommens
Infografik Nr. 491505
Bei der Verteilung des Volkseinkommens lässt sich unterscheiden zwischen dem Arbeitnehmerentgelt einerseits und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits. Das ZAHLENBILD zeigt die Entwicklung dieser beiden Komponenten seit 1991. Gewinne und Kapitalerträge schwankten viel stärker als die Einkommen der Beschäftigten. Die "Lohnquote" stieg zuletzt deutlich an.
Das Volkseinkommen ist die Summe aller Einkommen, die von den in Deutschland ansässigen Unternehmen und Erwerbstätigen im Lauf eines Jahres erzielt werden, seien es Unternehmensgewinne, Kapitalerträge, Mieten oder Löhne und Gehälter. Unter dem Aspekt der Einkommensverteilung wird unterschieden zwischen dem Arbeitnehmerentgelt einerseits und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen andererseits. Das Arbeitnehmerentgelt umfasst die Bruttolöhne und -gehälter der abhängig Beschäftigten und die von den Arbeitgebern für sie abgeführten Sozialbeiträge. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen lassen sich nicht direkt ermitteln, sondern errechnen sich aus dem Volkseinkommen abzüglich des Arbeitnehmerentgelts. Die beiden Seiten des Volkseinkommens lassen sich vereinfachend den Arbeitnehmern und den Unternehmern/Kapitalgebern zuordnen, auch wenn die Trennlinie nicht so scharf zu ziehen ist.
In den Jahren seit der deutschen Einigung haben sich die Arbeitnehmereinkommen fast kontinuierlich aufwärtsentwickelt. 2025 waren sie fast dreimal so hoch wie im Ausgangsjahr 1991. Nach einem raschen Anstieg zu Beginn der 1990er Jahre – u.a. bedingt durch kräftige Lohnerhöhungen in Ostdeutschland – geriet die Aufwärtsentwicklung in wirtschaftlichen schwierigeren Zeiten aber mehrmals ins Stocken. So in den Jahren 1996/97, in der Phase zwischen 2001 und 2005, in der Finanzkrise 2009 und noch einmal in der Corona-Krise 2020. Es waren dies Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation oder Rezession, in denen die Arbeitslosigkeit zunahm und Lohnerhöhungen schwer durchzusetzen waren. Ab 2021 beschleunigte sich die Aufwärtsbewegung der Arbeitnehmereinkommen, da der Fachkräftemangel die Durchsetzung höherer Löhne erleichterte und die hohe Inflation ab 2022 entsprechende Lohnsteigerungen nach sich zog.
Im Vergleich dazu zeigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen einen viel unruhigeren Verlauf. Bis 2003 entwickelten sie sich mit kleineren Rückschlägen noch annähernd parallel zu den Arbeitseinkommen. Dann hoben sie jedoch steil ab und lagen 2007 schon um rund 83 % über dem Niveau des Jahres 1991. Die Finanzkrise 2008/2009 ließ die Unternehmens- und Vermögenseinkommen zwar tief einbrechen, aber es folgte ein kräftiger Wiederanstieg bis 2017. Nach leichten Einbußen sanken sie in der Corona-Krise erneut drastisch ab. Die rasche Erholung danach war 2022 schon wieder zu Ende: Nun drückten Ukraine-Krieg, Energiekrise, wirtschaftliche Stagnation und Störungen im Welthandel auf Gewinne und Vermögenserträge. Die Einkommensverteilung verschob sich dadurch zuletzt deutlich zugunsten der Arbeitnehmer.
| Ausgabe: | 05/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |